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Sterilisation

Die Sterilisation ist die sicherste und gleichzeitig die endgültigste Verhütungsmethode. Sie kommt für Menschen infrage, die ihre Familienplanung definitiv abgeschlossen haben und keine (weiteren) Kinder mehr möchten. Sowohl Männer als auch Frauen können sich sterilisieren lassen – beim Mann heißt der Eingriff Vasektomie, bei der Frau Tubenligatur. Dieser Artikel gibt dir einen umfassenden Überblick über beide Methoden, ihre Wirkung, den Ablauf, die Sicherheit, mögliche Risiken und die Frage der Rückgängigmachung.

Was ist eine Sterilisation?

Die Sterilisation ist ein chirurgischer Eingriff, der eine dauerhafte Unfruchtbarkeit herbeiführt. Bei der Frau werden die Eileiter verschlossen, durchtrennt oder entfernt, sodass Spermien nicht mehr zur Eizelle gelangen können. Beim Mann werden die Samenleiter durchtrennt, sodass keine Spermien mehr in die Samenflüssigkeit gelangen. Die Sterilisation sollte immer als endgültig betrachtet werden – auch wenn in manchen Fällen eine Rückgängigmachung (Refertilisierung) möglich ist, ist sie nicht garantiert und mit Unsicherheiten verbunden.[reference:0]

Die Hormonproduktion bleibt bei beiden Geschlechtern erhalten. Bei der Frau reifen weiterhin Eizellen in den Eierstöcken heran, und der Menstruationszyklus läuft weiter. Beim Mann werden weiterhin Testosteron und Samenflüssigkeit produziert – nur die Spermien fehlen im Ejakulat. Die Sterilisation hat keinen Einfluss auf die sexuelle Lust, die Erektion oder den Orgasmus.[reference:1]

Gemeinsame Merkmale

  • Dauerhaft: Die Sterilisation ist als endgültige Verhütungsmethode konzipiert.
  • Hormonfrei: Kein Eingriff in den Hormonhaushalt.
  • Sehr sicher: Pearl-Index deutlich unter 1.
  • Kein STI-Schutz: Die Sterilisation schützt nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen.
  • Keine Anwendungsfehler: Anders als bei Pille, Kondom oder Spirale kann nichts vergessen oder falsch angewendet werden.

Welche Sterilisationsmethoden gibt es?

Es gibt zwei Hauptmethoden: die Sterilisation der Frau (Tubenligatur) und die Sterilisation des Mannes (Vasektomie). Die folgende Tabelle gibt dir einen ersten Überblick:

Merkmal Sterilisation der Frau (Tubenligatur) Sterilisation des Mannes (Vasektomie)
Eingriff Verschluss, Durchtrennung oder Entfernung der Eileiter Durchtrennung der Samenleiter
Betäubung In der Regel Vollnarkose Meist lokale Betäubung
Dauer Etwa 30 Minuten Etwa 15 bis 30 Minuten
Pearl-Index 0,2–0,3 (ca. 0,6 % nach 1 Jahr) 0,1–0,15 (0,15 % nach 1 Jahr)
Kosten Ca. 600 bis 1.000 Euro Ca. 400 bis 750 Euro
STI-Schutz Nein Nein
Rückgängigmachung Möglich, aber nicht garantiert (ca. 50 % Erfolg) Möglich, aber schwieriger (ca. 26 % Erfolg)


Die Sterilisation der Frau (Tubenligatur)

Die Sterilisation der Frau – auch Tubenligatur oder Tubensterilisation genannt – ist eine der sichersten Verhütungsmethoden überhaupt. Von 1.000 Frauen, die sich sterilisieren lassen, werden in den nächsten Jahren weniger als 5 schwanger. Das Risiko, trotz Sterilisation schwanger zu werden, ist bei jüngeren Frauen statistisch etwas höher als bei älteren, weil jüngere Frauen insgesamt fruchtbarer sind.[reference:2]

Wirkung

Bei der Tubenligatur werden die Eileiter verschlossen oder durchtrennt. Dadurch wird der Weg der Spermien zur Eizelle versperrt. Die Eizellen reifen zwar weiterhin in den Eierstöcken heran, gelangen aber nach dem Eisprung nur noch bis zur Verschlussstelle im Eileiter und werden dort vom Körper abgebaut. Eine Befruchtung ist damit nicht mehr möglich.[reference:3]

Ablauf des Eingriffs

Vor der Sterilisation findet ein ausführliches ärztliches Beratungs- und Aufklärungsgespräch statt. Dabei werden die allgemeinen Operationsrisiken und mögliche Komplikationen erläutert. Der Eingriff wird üblicherweise in der ersten Hälfte des Menstruationszyklus vorgenommen, also vor dem Eisprung. Am häufigsten wird die Operation per Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt – ambulant oder stationär. Der Eingriff erfordert meist eine kurze Vollnarkose und dauert etwa 30 Minuten. Die Eileiter werden entweder über eine Länge von 2 bis 3 cm elektrisch verödet, mit einem Clip verschlossen oder entfernt. Nach der Operation sollte man sich ein paar Tage körperlich schonen.[reference:4]

Bei der laparoskopischen Methode werden drei kleine Schnitte gemacht: am Bauchnabel und links und rechts im Bereich der Grenze der Intimbehaarung. Die Schnitte sind etwa 1,5 bis 2 cm lang und unauffällig. Der Arzt sucht mit Hilfe einer Kamera die Eileiter auf und durchtrennt, klemmt ab oder verödet sie.[reference:5]

Risiken und Komplikationen

Wie bei jeder Operation können auch bei einer Sterilisation Komplikationen auftreten. Dazu gehören:

  • Blutungen: Aus einem Schnitt oder im Bauchraum
  • Infektionen: Wundheilungsstörungen oder Entzündungen
  • Verletzungen von Organen: Darm, Blase oder Blutgefäße können in seltenen Fällen verletzt werden
  • Narkoserisiken: Nebenwirkungen der Vollnarkose
  • Eileiterschwangerschaft: Wenn trotz Sterilisation eine Befruchtung stattfindet, kann sich die Eizelle außerhalb der Gebärmutter einnisten – ein medizinischer Notfall
Schwerwiegende Komplikationen wie Verletzungen von Blutgefäßen, Blase oder Darm sind sehr selten und treten bei etwa einem von 1.000 Eingriffen auf.[reference:6]

Die Sterilisation des Mannes (Vasektomie)

Die Vasektomie ist die Sterilisation des Mannes. Dabei werden die Samenleiter durchtrennt, sodass keine Spermien mehr in die Samenflüssigkeit gelangen. Die Vasektomie gilt als eine der sichersten Verhütungsmethoden überhaupt und ist mit weniger Komplikationen verbunden als die Sterilisation der Frau.[reference:7][reference:8]

Wirkung

Bei einer Vasektomie werden die Samenleiter – die dünnen Schläuche, die die Spermien aus den Hoden ableiten – durchtrennt und die offenen Enden verschlossen. Dadurch gelangen keine Spermien mehr in die Samenflüssigkeit. Die Ejakulation und die Ejakulationsmenge bleiben unverändert – nur ohne Spermien. Die Hormonproduktion und die Sexualfunktion werden nicht beeinflusst.[reference:9]

Ablauf des Eingriffs

Die Vasektomie erfolgt ambulant, meist in einer urologischen Praxis oder Klinik, unter lokaler Betäubung. Der Eingriff dauert in der Regel zwischen 15 und 30 Minuten. Der Arzt oder die Ärztin kann zwischen zwei Verfahren wählen:

  • Klassische Vasektomie: Mit einem Skalpell werden zwei kleine Schnitte im Hodensack gemacht, um die Samenleiter freizulegen.
  • Non-Scalpel-Vasektomie: Die Hodensackhaut wird lediglich durchpiekst und leicht gespreizt – ohne Skalpell.
Wenn die Samenleiter freiliegen, werden sie durchtrennt und die Enden verschlossen. Etwa eine Woche nach dem Eingriff kann der Mann wieder Geschlechtsverkehr haben. Dabei muss jedoch noch für einige Zeit verhütet werden, denn in der Prostata und in den Samenbläschen befinden sich noch wochenlang befruchtungsfähige Spermien. Nach sechs bis acht Wochen stellt der Urologe anhand einer Samenprobe fest, ob sich im Ejakulat noch befruchtungsfähige Spermien befinden. Erst wenn dieser Befund negativ ist, kann auf andere Verhütungsmethoden verzichtet werden.[reference:10][reference:11]

Risiken und Komplikationen

Die Vasektomie ist ein risikoarmer Eingriff. Mögliche Komplikationen sind:

  • Blutungen und Blutergüsse (Hämatome): Tritt bei etwa 4 bis 22 Prozent der Fälle auf
  • Infektionen: Tritt bei etwa 0,2 bis 1,5 Prozent der Fälle auf
  • Chronischer Hodenschmerz (Post-Vasektomie-Schmerzsyndrom): Tritt bei etwa 1 bis 14 Prozent der Männer auf
  • Spermagranulome: Kleine Knoten, die sich aus Spermien und Entzündungsgewebe bilden – treten bei 2 bis 70 Prozent der Fälle auf
  • Fehlschlagen der Vasektomie: Sehr selten – entweder durch eine frühe Rekanalisation oder durch das Verwachsen der Samenleiter
Die meisten Komplikationen sind mild und klingen von selbst ab. Schmerzen und Druckgefühl in den Nebenhoden traten in einer Studie bei ein bis zwei Prozent der Männer auf.[reference:12][reference:13]

Vergleich: Sterilisation der Frau vs. Sterilisation des Mannes

Die Sterilisation des Mannes ist prinzipiell leichter durchzuführen als die der Frau und ist mit geringeren Komplikationen behaftet. Sie kann unter lokaler Betäubung erfolgen, während bei der Frau in der Regel eine Vollnarkose erforderlich ist. Auch die Kosten sind beim Mann deutlich geringer. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen:

Merkmal Sterilisation der Frau Sterilisation des Mannes
Eingriffsart Laparoskopie (Bauchspiegelung) Ambulante Praxis-OP
Betäubung Vollnarkose Lokale Betäubung
Eingriffsdauer Etwa 30 Minuten Etwa 15 bis 30 Minuten
Komplikationsrate Höher Niedriger
Kosten 600–1.000 € 400–750 €
Pearl-Index 0,2–0,3 0,1–0,15


Sicherheit und Pearl-Index

Die Sterilisation gehört zu den sichersten Verhütungsmethoden überhaupt. Der Pearl-Index liegt bei der Sterilisation der Frau bei 0,2 bis 0,3 und bei der Vasektomie bei 0,1 bis 0,15. Das bedeutet: Von 1.000 Frauen, deren Partner sich haben sterilisieren lassen, werden innerhalb eines Jahres weniger als 2 schwanger. Nach fünf Jahren sind es etwa 1,1 Prozent.[reference:14][reference:15][reference:16]

Wichtig: Trotz der hohen Sicherheit ist die Sterilisation nicht zu 100 Prozent vor einer Schwangerschaft geschützt. In seltenen Fällen können die Eileiter oder Samenleiter wieder zusammenwachsen, oder es kann zu einer Eileiterschwangerschaft kommen. Wenn trotz Sterilisation eine Schwangerschaft eintritt, ist das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft erhöht – ein medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss.[reference:17]

Rückgängigmachung (Refertilisierung)

Die Sterilisation sollte immer als endgültig betrachtet werden. Wenn sich die Lebensumstände ändern und doch ein Kinderwunsch entsteht, kann in manchen Fällen eine Refertilisierung (Wiederherstellung der Fruchtbarkeit) versucht werden. Der Erfolg ist jedoch nicht garantiert und hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Refertilisierung bei der Frau

Bei einer Tubensterilisation können die Eileiter in einer erneuten Operation wieder verbunden werden. Jedoch wird nur etwa die Hälfte der Frauen danach auf natürlichem Wege schwanger. Eine Refertilisierung ist nicht mehr möglich, wenn die Eileiter vollständig entfernt wurden. Die Erfolgsaussichten hängen unter anderem davon ab, welche Operationsmethode verwendet wurde, wie viel vom Eileiter noch vorhanden ist und wie stark das Gewebe vernarbt ist.[reference:18][reference:19]

Refertilisierung beim Mann

Beim Mann können die durchtrennten Samenleiter in einer mikrochirurgischen Operation wieder miteinander verbunden werden. Die Refertilisierung wird in der Regel in Vollnarkose durchgeführt und ist aufwendiger als die Vasektomie selbst. Nach einer Refertilisierung des Mannes kommt es bei etwa 26 Prozent der Paare zu einer Schwangerschaft. Die Erfolgsaussichten hängen unter anderem davon ab, wie viele Jahre seit der Vasektomie vergangen sind und ob früher Fruchtbarkeitsstörungen vorlagen.[reference:20][reference:21]

Wichtig: Wer sich sterilisieren lassen möchte, sollte sich sicher sein, dass die Familienplanung abgeschlossen ist. Die Möglichkeit der Refertilisierung sollte nicht als „Versicherung" betrachtet werden. Eine künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation) kann eine Alternative sein, wenn eine Refertilisierung nicht möglich oder nicht erfolgreich ist.[reference:22]

Kosten und Krankenkasse

In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Sterilisation nur, wenn der Eingriff medizinisch notwendig ist. Bei Frauen ist dies der Fall, wenn eine Schwangerschaft ihre Gesundheit gefährden würde. Bei gesunden Männern werden die Kosten nur in Ausnahmefällen übernommen – zum Beispiel, wenn durch eine Schwangerschaft eine schwerwiegende Schädigung bei der Frau zu erwarten ist und gleichzeitig der Eingriff der Sterilisation für die Frau lebensbedrohlich wäre. In allen anderen Fällen müssen die Kosten selbst getragen werden.[reference:23][reference:24]

Eingriff Kosten (ca.)
Vasektomie (Mann) 400 bis 750 Euro
Tubenligatur (Frau) 600 bis 1.000 Euro


Für wen eignet sich eine Sterilisation?

Die Sterilisation ist eine geeignete Methode für Menschen, die:

  • ihre Familienplanung definitiv abgeschlossen haben
  • keine (weiteren) Kinder mehr möchten
  • eine dauerhafte, hormonfreie Verhütungsmethode suchen
  • keine Lust auf tägliche oder regelmäßige Verhütungsanwendung haben
  • aus gesundheitlichen Gründen keine Schwangerschaft riskieren dürfen
Die Sterilisation ist nicht geeignet für Menschen, die:

  • unsicher sind, ob sie später doch noch Kinder möchten
  • eine kurzfristige Verhütungslösung suchen
  • sich vor sexuell übertragbaren Infektionen schützen möchten (dafür ist ein Kondom erforderlich)
  • unter 30 Jahre alt sind und noch keine Kinder haben (das Bedauern ist in dieser Gruppe statistisch höher)

Vor- und Nachteile der Sterilisation

Vorteile

  • Sehr hohe Sicherheit (Pearl-Index unter 1)
  • Dauerhafte Lösung – einmaliger Eingriff, jahrelanger Schutz
  • Hormonfrei – kein Eingriff in den Hormonhaushalt
  • Keine Anwendungsfehler möglich
  • Unabhängig von der sexuellen Situation
  • Beim Mann: kleiner, ambulanter Eingriff mit geringem Risiko

Nachteile

  • Endgültig – nicht sicher rückgängig zu machen
  • Kein Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen
  • Operation mit möglichen Komplikationen
  • Beim Mann: kein sofortiger Schutz – es dauert einige Wochen, bis keine Spermien mehr im Ejakulat sind
  • Bei der Frau: Vollnarkose und höheres Komplikationsrisiko
  • Kosten in der Regel selbst zu tragen

Sterilisation und sexuell übertragbare Infektionen

Die Sterilisation schützt nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Wer sich vor STI schützen möchte, braucht zusätzlich eine Barrieremethode – in der Regel ein Kondom. Diese Kombination wird als Doppelschutz bezeichnet: Sterilisation für den Schutz vor Schwangerschaft, Kondom für den Schutz vor STI. Besonders bei wechselnden Sexualpartnern ist ein zusätzlicher mechanischer Schutz notwendig.

Fazit

Die Sterilisation ist die sicherste Verhütungsmethode für Menschen, die ihre Familienplanung endgültig abgeschlossen haben. Sie bietet dauerhaften Schutz ohne tägliche Anwendung und ohne Hormone. Die Vasektomie beim Mann ist ein kleinerer, risikoärmerer und kostengünstigerer Eingriff als die Tubenligatur bei der Frau. Beide Methoden sind sehr sicher, aber nicht zu 100 Prozent vor einer Schwangerschaft geschützt und bieten keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen. Wer sich sterilisieren lassen möchte, sollte sich sicher sein, dass keine (weiteren) Kinder mehr gewünscht sind – die Rückgängigmachung ist nicht garantiert.

Quellen: Sterilisation

























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