Prostitution in Nordkorea unterscheidet sich grundlegend von den Prostitutionsmodellen vieler anderer Staaten. Die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK) erkennt Prostitution nicht als reguläre wirtschaftliche Tätigkeit an. Nach den von Nordkorea selbst gegenüber den Vereinten Nationen gemachten Angaben ist Prostitution gesetzlich verboten und wird strafrechtlich verfolgt. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Berichte von außerhalb des Landes, die darauf hindeuten, dass Prostitution trotz des Verbots tatsächlich stattfindet.
Eine Besonderheit der Informationslage besteht darin, dass verlässliche unabhängige Statistiken über das Ausmaß der Prostitution in Nordkorea kaum verfügbar sind. Das Land ist politisch und gesellschaftlich weitgehend abgeschottet. Internationale Organisationen haben nur eingeschränkten Zugang, und unabhängige Journalisten können die Situation innerhalb Nordkoreas nicht frei untersuchen.
Deshalb muss zwischen offiziellen Angaben der nordkoreanischen Regierung und Berichten internationaler Organisationen, Menschenrechtsorganisationen sowie Quellen aus dem Umfeld nordkoreanischer Flüchtlinge unterschieden werden. Gerade bei Angaben über das tatsächliche Ausmaß der Prostitution ist diese Unterscheidung wichtig.
Nach offiziellen nordkoreanischen Darstellungen wurde Prostitution nach der Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft abgeschafft. Nordkorea erklärt, dass Prostitution und Menschenhandel als besonders schwere gesellschaftliche Verfehlungen betrachtet werden. Gleichzeitig dokumentieren unabhängige Quellen Fälle von Prostitution und sexueller Ausbeutung.
Historischer Hintergrund
Die Geschichte der Prostitution auf der koreanischen Halbinsel reicht weit in die Zeit vor der Gründung Nordkoreas zurück. Während der japanischen Kolonialherrschaft bestanden verschiedene Formen kommerzieller sexueller Dienstleistungen.
Dazu gehörten unter anderem lizenzierte und nicht lizenzierte Prostitution sowie das traditionelle System der Kisaeng. Die nordkoreanische Regierung stellt die Entwicklung nach 1945 als grundlegenden Bruch mit diesen historischen Strukturen dar.
Nach der Befreiung Koreas im Jahr 1945 wurden in Nordkorea umfangreiche gesellschaftliche und rechtliche Veränderungen eingeleitet. Die neue politische Führung verband die Abschaffung traditioneller sozialer Strukturen mit dem Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft.
In offiziellen nordkoreanischen Berichten wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Prostitution und Frauenhandel nach 1945 verboten wurden und anschließend aus der Gesellschaft verschwunden seien.
Diese offizielle Darstellung muss allerdings von späteren unabhängigen Berichten unterschieden werden, die weiterhin Fälle von Prostitution dokumentieren.
Prostitution nach der Gründung Nordkoreas
Die Demokratische Volksrepublik Korea wurde 1948 gegründet. Das politische System orientierte sich am Sozialismus und entwickelte sich anschließend zu einem stark zentralisierten und autoritären Staat.
In diesem politischen und gesellschaftlichen System wurde Prostitution nicht als eigenständiger Wirtschaftszweig anerkannt. Sexuelle Dienstleistungen gegen Bezahlung standen vielmehr im Widerspruch zur offiziellen gesellschaftlichen Ordnung.
Das nordkoreanische Recht sieht Prostitution als strafbares Verhalten an. Damit unterscheidet sich Nordkorea deutlich von Staaten, in denen Prostitution erlaubt, reguliert oder lediglich teilweise eingeschränkt ist.
Die nordkoreanische Regierung erklärte gegenüber den Vereinten Nationen mehrfach, dass Prostitution gesellschaftlich nicht verbreitet sei. Gleichzeitig enthalten offizielle Dokumente konkrete strafrechtliche Vorschriften gegen Prostitution.
Das nordkoreanische Prostitutionsrecht
Nach den von Nordkorea selbst vorgelegten Informationen ist Prostitution gesetzlich verboten.
In einem Bericht an die Vereinten Nationen erklärte die nordkoreanische Regierung, dass Artikel 249 des Strafgesetzbuches Prostitution als Straftat behandelt. In schweren Fällen soll danach eine Strafe von bis zu fünf Jahren „reform through labour“, also Strafvollzug mit Zwangsarbeit beziehungsweise Arbeitskorrektur, möglich sein.
Auch ältere Fassungen des nordkoreanischen Strafrechts enthielten entsprechende Vorschriften. In einem früheren Bericht wurde Prostitution ebenfalls ausdrücklich als verboten bezeichnet.
Die genaue Fassung des heute geltenden nordkoreanischen Strafrechts ist für unabhängige Beobachter jedoch nur eingeschränkt überprüfbar. Deshalb sollte bei konkreten Strafhöhen immer angegeben werden, auf welche veröffentlichte Fassung beziehungsweise welchen Bericht sich die Information bezieht.
Artikel 249 des Strafgesetzbuches
Artikel 249 des nordkoreanischen Strafgesetzbuches ist für die rechtliche Beurteilung der Prostitution von besonderer Bedeutung.
Nach einer verfügbaren Fassung des Strafgesetzbuches wird die Ausübung der Prostitution mit kurzfristiger Arbeitsstrafe von weniger als einem Jahr bestraft. In schweren Fällen kann eine Strafe von mehr als drei und weniger als fünf Jahren beziehungsweise bis zu fünf Jahren Arbeitskorrektur vorgesehen sein.
Nordkorea bezeichnet Prostitution damit nicht lediglich als Ordnungswidrigkeit. Sie wird vielmehr dem Strafrecht zugeordnet.
Das hat erhebliche Konsequenzen für Personen, die der Prostitution beschuldigt werden. Anders als in Ländern mit legaler oder entkriminalisierter Prostitution besteht keine Möglichkeit, sexuelle Dienstleistungen legal als selbstständige Tätigkeit oder als reguläres Gewerbe anzubieten.
Frauen und Prostitution
Die verfügbaren unabhängigen Berichte beziehen sich überwiegend auf Frauen.
Insbesondere Frauen mit schwierigen wirtschaftlichen Lebensbedingungen können einem erhöhten Risiko ausgesetzt sein, in informelle oder illegale Formen der Prostitution zu geraten.
Berichte des Korea Institute for National Unification und anderer Quellen beschreiben, dass sich die Situation insbesondere während der schweren wirtschaftlichen Krise der 1990er-Jahre verschärfte.
Die wirtschaftliche Not führte dazu, dass viele Frauen nach zusätzlichen Möglichkeiten suchten, ihre Familien zu versorgen.
Dabei entwickelte sich ein größerer informeller Markt, der nicht nur Handel mit Waren, sondern auch verschiedene Dienstleistungen umfasste.
Die wirtschaftliche Krise der 1990er-Jahre
Die 1990er-Jahre waren für Nordkorea eine der schwersten wirtschaftlichen Krisen seiner Geschichte.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor Nordkorea wichtige wirtschaftliche Unterstützung und Handelsbeziehungen. Gleichzeitig kam es zu schweren Versorgungsproblemen.
Die staatliche Lebensmittelverteilung funktionierte in vielen Bereichen nicht mehr zuverlässig. Diese Entwicklung führte zu einer erheblichen Verschlechterung der Lebensbedingungen.
In dieser Situation entwickelten sich informelle Märkte, auf denen insbesondere Frauen eine wichtige wirtschaftliche Rolle übernahmen.
Menschenrechtsberichte führen die Ausbreitung von Prostitution teilweise auf diese wirtschaftlichen Veränderungen zurück. Das Korea Institute for National Unification berichtet beispielsweise von Aussagen nordkoreanischer Flüchtlinge, wonach sexuelle Dienstleistungen als Überlebensstrategie an Bedeutung gewannen.
Dabei handelt es sich jedoch überwiegend um Zeugenaussagen und Berichte von Personen, die Nordkorea verlassen haben. Eine vollständige statistische Erfassung des Phänomens ist nicht möglich.
Prostitution und informelle Märkte
Die Entwicklung informeller Märkte ist für das Verständnis der Prostitution in Nordkorea besonders wichtig.
Da private wirtschaftliche Aktivitäten lange Zeit stark eingeschränkt waren, entstanden neben der staatlichen Wirtschaft zunehmend informelle Handelsstrukturen.
Frauen spielten in diesen Märkten eine besonders wichtige Rolle. Sie konnten Waren handeln, Dienstleistungen anbieten und auf diese Weise Einkommen für ihre Familien erzielen.
In diesem Umfeld entwickelte sich nach Berichten auch ein informeller Markt für sexuelle Dienstleistungen.
Prostitution blieb jedoch illegal und konnte jederzeit zu einer Verhaftung oder Bestrafung führen.
Prostitution in den 1990er-Jahren
Nach Angaben des Korea Institute for National Unification nahm Prostitution insbesondere nach der schweren Versorgungskrise der 1990er-Jahre zu. Frauen waren vielfach gezwungen, neue Einkommensquellen zu suchen, nachdem das staatliche Versorgungssystem seine frühere Funktion teilweise verloren hatte.
Die wirtschaftliche Not war dabei nicht der einzige Faktor.
Auch die Entwicklung informeller Märkte, die zunehmende Bedeutung privater Geldgeschäfte und Veränderungen innerhalb der Gesellschaft trugen dazu bei, dass neue Formen wirtschaftlicher Tätigkeit entstanden.
Die Behörden reagierten mit Kontrollen und Strafmaßnahmen.
Dadurch entstand ein Spannungsverhältnis zwischen wirtschaftlicher Not auf der einen Seite und dem staatlichen Prostitutionsverbot auf der anderen Seite.
Prostitution und Korruption
Mehrere unabhängige Berichte beschreiben Korruption als einen wichtigen Faktor bei der praktischen Durchsetzung des Prostitutionsverbots.
Daily NK berichtet unter Berufung auf Quellen innerhalb Nordkoreas, dass Personen, die wegen Prostitution kontrolliert werden, teilweise durch Bestechung versuchen, einer Bestrafung zu entgehen.
Diese Berichte lassen sich aufgrund der schwierigen Informationslage nicht unabhängig überprüfen.
Sie zeigen jedoch ein grundsätzliches Problem autoritärer Strafsysteme: Zwischen geschriebenem Recht und tatsächlicher Rechtsdurchsetzung kann eine erhebliche Differenz bestehen.
Das bedeutet, dass ein gesetzliches Verbot nicht automatisch bedeutet, dass jede bekannte oder vermutete Prostitutionshandlung tatsächlich strafrechtlich verfolgt wird.
Prostitution in Pjöngjang
Pjöngjang ist die Hauptstadt und das politische Zentrum Nordkoreas.
Die Stadt besitzt eine besondere gesellschaftliche Bedeutung und wird wesentlich stärker kontrolliert als viele andere Regionen des Landes.
Gleichzeitig berichten unabhängige Quellen über Fälle von Prostitution in Pjöngjang.
Besondere Aufmerksamkeit erhielten Berichte über Prostitutionsnetzwerke, die sich an Angehörige der politischen und wirtschaftlichen Elite richteten.
Ein Bericht des US-Außenministeriums aus dem Jahr 2021 verwies auf Medienberichte über die Hinrichtung mehrerer Personen wegen der Organisation kommerzieller sexueller Dienstleistungen, an denen auch Studentinnen beteiligt gewesen sein sollen. Die Angaben konnten allerdings nicht unabhängig bestätigt werden.
Solche Berichte zeigen zumindest, dass Prostitution auch in den privilegierten gesellschaftlichen Schichten des Landes ein Thema sein kann.
Prostitution außerhalb von Pjöngjang
Auch außerhalb der Hauptstadt gibt es Berichte über Prostitution.
Daily NK berichtete beispielsweise über Fälle in Hamhung und anderen Städten. Dabei wurden Frauen festgenommen, denen Prostitution vorgeworfen wurde.
Die Berichte beschreiben teilweise Frauen, die aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten sexuelle Dienstleistungen anboten.
Insbesondere Frauen mit Kindern können sich in besonders schwierigen Situationen befinden, wenn andere Einkommensmöglichkeiten fehlen.
Solche Fälle verdeutlichen, dass Prostitution in Nordkorea nicht ausschließlich als Kriminalitätsproblem betrachtet werden kann. Wirtschaftliche und soziale Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle.
Prostitution und Armut
Armut beziehungsweise wirtschaftliche Not wird in verschiedenen unabhängigen Berichten als wichtiger Faktor für Prostitution in Nordkorea genannt.
Dies gilt insbesondere für Frauen, die für den Lebensunterhalt ihrer Familien verantwortlich sind.
Dabei darf jedoch nicht jede nordkoreanische Frau, die sexuelle Dienstleistungen anbietet, automatisch als Opfer betrachtet werden.
Die individuellen Lebenssituationen können unterschiedlich sein.
Gleichzeitig können wirtschaftliche Abhängigkeit und fehlende alternative Einkommensmöglichkeiten die Entscheidungsfreiheit erheblich einschränken.
Gerade unter diesen Bedingungen ist die Grenze zwischen freiwilliger Tätigkeit, wirtschaftlichem Zwang und tatsächlicher sexueller Ausbeutung schwer zu bestimmen.
Menschenhandel
Menschenhandel stellt im Zusammenhang mit Nordkorea ein besonders schwerwiegendes Problem dar.
Der US-amerikanische Trafficking in Persons Report berichtet seit Jahren über Menschenhandel mit nordkoreanischen Staatsangehörigen.
Besonders gefährdet sind nordkoreanische Frauen, die das Land ohne Genehmigung verlassen und sich anschließend in China aufhalten.
Diese Frauen besitzen häufig keinen gesicherten Aufenthaltsstatus und können dadurch leicht von Menschenhändlern kontrolliert oder ausgebeutet werden.
Der US-amerikanische Bericht beschreibt Fälle, in denen nordkoreanische Frauen in China zur kommerziellen sexuellen Ausbeutung gezwungen wurden.
Nordkoreanische Frauen in China
Die Situation nordkoreanischer Frauen in China unterscheidet sich von der Situation der Prostitution innerhalb Nordkoreas.
Viele Frauen verlassen Nordkorea aufgrund wirtschaftlicher Probleme oder anderer Lebensumstände und gelangen über die Grenze nach China.
Da sie dort häufig keinen legalen Aufenthaltsstatus besitzen, sind sie besonders verwundbar.
Menschenhändler können diese Situation ausnutzen.
Nach Angaben des US-Außenministeriums werden nordkoreanische Frauen in China unter anderem durch falsche Versprechen über Arbeitsmöglichkeiten angelockt. Einige werden anschließend sexuell ausgebeutet, zur Prostitution gezwungen oder als Hostessen eingesetzt.
Diese Form der sexuellen Ausbeutung ist eindeutig vom freiwilligen Anbieten sexueller Dienstleistungen zu unterscheiden.
Zwangsprostitution und sexuelle Ausbeutung
Zwangsprostitution liegt vor, wenn eine Person durch Gewalt, Drohungen, Täuschung oder andere Formen des Zwangs zur sexuellen Ausbeutung gebracht wird.
Bei nordkoreanischen Frauen in China kann die fehlende Aufenthaltserlaubnis eine besondere Abhängigkeit erzeugen.
Menschenhändler können mit einer Meldung an die chinesischen Behörden oder mit der Drohung einer Rückführung nach Nordkorea Druck auf die Betroffenen ausüben.
Der US-amerikanische Trafficking in Persons Report beschreibt genau solche Risiken für nordkoreanische Frauen und Mädchen.
Die Situation ist besonders problematisch, weil eine Rückführung nach Nordkorea nach Angaben internationaler Berichte schwere Folgen haben kann.
Rückführung nach Nordkorea
Nordkoreanische Staatsangehörige, die China ohne Genehmigung verlassen haben und anschließend zurückgeführt werden, können mit erheblichen staatlichen Sanktionen rechnen.
Der US-amerikanische Trafficking in Persons Report berichtet von Fällen, in denen zurückgeführte Menschen Zwangsarbeit, Haft, Folter und andere schwere Menschenrechtsverletzungen erlitten haben sollen.
Für Menschenhandelsopfer entsteht dadurch eine besonders schwierige Situation.
Sie können einerseits Opfer sexueller Ausbeutung sein und andererseits bei einer Rückkehr nach Nordkorea selbst strafrechtlich oder administrativ verfolgt werden.
Diese Situation erschwert die Identifizierung und den Schutz von Menschenhandelsopfern erheblich.
Menschenhandel innerhalb Nordkoreas
Auch innerhalb Nordkoreas gibt es Hinweise auf sexuelle Ausbeutung und Menschenhandel.
Der US-amerikanische Trafficking in Persons Report beschreibt Frauen und Kinder innerhalb Nordkoreas als potenzielle Opfer sexuellen Menschenhandels. Gleichzeitig weist der Bericht ausdrücklich darauf hin, dass die nordkoreanische Regierung keine verlässlichen Daten zu Ermittlungen, Strafverfahren oder Verurteilungen wegen Menschenhandels zur Verfügung stellt.
Damit bleibt das tatsächliche Ausmaß des Problems schwer einzuschätzen.
Die fehlende Transparenz des nordkoreanischen Staates ist deshalb ein wesentlicher Faktor bei der Bewertung der Situation.
Die offizielle Position Nordkoreas
Die offizielle Position der nordkoreanischen Regierung unterscheidet sich erheblich von den Berichten internationaler Menschenrechtsorganisationen.
Nordkorea erklärt, dass Prostitution und Menschenhandel nach der Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft abgeschafft worden seien.
In offiziellen Berichten wird außerdem dargestellt, dass sexuelle Ausbeutung in der nordkoreanischen Gesellschaft kein relevantes strukturelles Problem darstelle.
Diese Aussagen stehen allerdings im Widerspruch zu unabhängigen Berichten über Prostitution, Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung.
Bei der Bewertung der Situation muss deshalb berücksichtigt werden, dass unabhängige Beobachter nur sehr begrenzten Zugang zu Nordkorea besitzen.
Frauenrechte und Prostitution
Nordkorea verfügt über gesetzliche Regelungen zum Schutz der Rechte von Frauen.
Das Gesetz zum Schutz und zur Förderung der Rechte der Frauen enthält auch Vorschriften gegen Prostitution und sexuelle Ausbeutung.
Nach Artikel 40 dieses Gesetzes sollen Personen bestraft werden, die Prostitution ausüben, organisieren, fördern oder eine Frau dazu zwingen beziehungsweise verleiten.
Damit richtet sich die gesetzliche Regelung nicht ausschließlich gegen die Person, die Prostitution ausübt.
Auch Personen, die andere Frauen zur Prostitution bringen oder entsprechende Strukturen organisieren, können von den Vorschriften erfasst werden.
Sexuelle Gewalt
Das nordkoreanische Strafrecht enthält außerdem Vorschriften gegen Vergewaltigung und sexuelle Handlungen mit Minderjährigen.
Nach den von Nordkorea gegenüber den Vereinten Nationen gemachten Angaben wird Vergewaltigung mit Arbeitskorrektur bestraft. Auch sexuelle Handlungen mit Mädchen unter 15 Jahren sind strafbar.
Die tatsächliche Durchsetzung dieser Vorschriften ist allerdings aufgrund der eingeschränkten Transparenz des nordkoreanischen Justizsystems schwer unabhängig zu überprüfen.
Gerade bei sexueller Gewalt gegen Frauen besteht deshalb eine erhebliche Informationslücke.
Prostitution und Minderjährige
Minderjährige genießen nach den offiziellen nordkoreanischen Rechtsvorschriften besonderen Schutz.
Sexuelle Handlungen mit Mädchen unter 15 Jahren werden strafrechtlich verfolgt.
Gleichzeitig gibt es unabhängige Berichte, die von der sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen beziehungsweise sehr jungen Frauen berichten.
Das US-Außenministerium weist ausdrücklich darauf hin, dass Frauen und Kinder in Nordkorea Opfer von sexuellem Menschenhandel werden können.
Bei solchen Fällen handelt es sich nicht um gewöhnliche Prostitution, sondern um sexuelle Ausbeutung und gegebenenfalls Menschenhandel.
Prostitution und die politische Elite
Einige Berichte deuten darauf hin, dass sexuelle Dienstleistungen auch für Teile der politischen und wirtschaftlichen Elite Nordkoreas zugänglich sein können.
Besonders bekannt wurden Berichte über sogenannte Prostitutionsnetzwerke in Pjöngjang.
Im Jahr 2020 berichteten internationale Medien unter Berufung auf Quellen über eine angebliche Strafaktion gegen Personen, die ein Prostitutionsnetzwerk organisiert haben sollen. Dabei sollen auch Studentinnen betroffen gewesen sein. Die Angaben konnten jedoch nicht unabhängig überprüft werden.
Solche Berichte sind daher mit entsprechender Vorsicht zu behandeln.
Prostitution und Bestechung
Korruption spielt nach mehreren Berichten eine wichtige Rolle bei der praktischen Durchsetzung des Prostitutionsverbots.
Personen, die einer illegalen Tätigkeit beschuldigt werden, können versuchen, Polizisten oder andere staatliche Mitarbeiter zu bestechen.
Daily NK berichtet beispielsweise von Fällen, in denen Beschuldigte durch Bestechung einer Bestrafung entgehen konnten.
Da unabhängige Kontrollen innerhalb Nordkoreas kaum möglich sind, können solche Angaben jedoch nicht flächendeckend verifiziert werden.
Sie zeigen dennoch, dass zwischen dem formellen Strafrecht und dessen praktischer Anwendung Unterschiede bestehen können.
Prostitution und soziale Kontrolle
Die nordkoreanische Gesellschaft ist durch eine sehr starke staatliche Kontrolle des privaten und öffentlichen Lebens geprägt.
Reisebewegungen, Kommunikation, berufliche Tätigkeit und gesellschaftliche Organisation unterliegen umfangreichen staatlichen Vorgaben.
Prostitution steht deshalb nicht nur unter strafrechtlicher Kontrolle.
Personen, die gegen gesellschaftliche oder politische Vorgaben verstoßen, können auch mit anderen Formen staatlicher Sanktionen konfrontiert werden.
Diese umfassende soziale Kontrolle unterscheidet Nordkorea deutlich von demokratischen Staaten mit rechtsstaatlichen Verfahren.
Prostitution und Menschenrechte
Die rechtliche Behandlung von Prostitution in Nordkorea muss auch unter menschenrechtlichen Gesichtspunkten betrachtet werden.
Ein staatliches Verbot von Prostitution bedeutet nicht automatisch, dass alle Personen, die Prostitution ausüben, aus freier Entscheidung handeln.
Ebenso bedeutet eine strafrechtliche Verfolgung nicht automatisch, dass die betroffenen Personen keine Opfer von Ausbeutung sind.
Gerade in einem Staat mit erheblicher wirtschaftlicher Not, eingeschränkter Bewegungsfreiheit und begrenzten Möglichkeiten zur freien Arbeitsplatzwahl können wirtschaftliche Abhängigkeiten eine wichtige Rolle spielen.
Der Schutz vor sexueller Ausbeutung muss deshalb von der Bestrafung freiwilliger sexueller Dienstleistungen unterschieden werden.
Die Rolle internationaler Organisationen
Internationale Organisationen haben nur eingeschränkte Möglichkeiten, die Situation innerhalb Nordkoreas unmittelbar zu untersuchen.
Die Vereinten Nationen erhalten Informationen unter anderem durch staatliche Berichte, Untersuchungen von UN-Gremien und Aussagen von Personen, die Nordkorea verlassen haben.
Die UN-Ausschüsse haben wiederholt Fragen zur sexuellen Ausbeutung, zum Menschenhandel und zum Schutz von Frauen behandelt.
Dabei besteht ein grundlegendes Problem: Die nordkoreanische Regierung weist viele Vorwürfe zurück oder erklärt, entsprechende Probleme existierten im Land nicht.
Eine vollständige unabhängige Überprüfung ist deshalb häufig nicht möglich.
Der Trafficking in Persons Report
Der jährlich erscheinende Trafficking in Persons Report des US-Außenministeriums bewertet die Situation des Menschenhandels in Nordkorea besonders kritisch.
Im Bericht für 2025 wird festgestellt, dass die nordkoreanische Regierung keine ausreichenden Maßnahmen gegen Menschenhandel nachweisen konnte. Es wurden keine verlässlichen Daten zu Ermittlungen, Strafverfahren oder Verurteilungen wegen Menschenhandels bereitgestellt.
Der Bericht fordert unter anderem eine stärkere Strafverfolgung von Menschenhandel, besseren Schutz für Opfer und mehr Transparenz.
Außerdem wird darauf hingewiesen, dass Nordkorea nicht Vertragsstaat des UN-Protokolls von 2000 gegen Menschenhandel ist.
Die Situation im Jahr 2026
Im Jahr 2026 bleibt Prostitution in Nordkorea nach den verfügbaren offiziellen Rechtsquellen verboten.
Die vorhandenen Informationen sprechen dafür, dass Prostitution weiterhin strafrechtlich verfolgt wird. Eine verlässliche aktuelle Statistik über die Zahl der Prostituierten oder über die Zahl der Strafverfahren existiert jedoch nicht.
Die Informationslage ist damit deutlich schlechter als in Staaten mit offenen Justizsystemen und unabhängiger Statistik.
Gleichzeitig berichten Quellen außerhalb Nordkoreas weiterhin über Prostitution und sexuelle Ausbeutung.
Die aktuellen internationalen Berichte konzentrieren sich insbesondere auf Menschenhandel, Zwangsarbeit und die sexuelle Ausbeutung nordkoreanischer Frauen im Ausland.
Für eine sachliche Bewertung muss daher zwischen dem gesetzlichen Verbot, der tatsächlichen Existenz von Prostitution und dem Problem der sexuellen Ausbeutung und des Menschenhandels unterschieden werden.
Fazit
Prostitution in Nordkorea ist offiziell verboten und wird strafrechtlich verfolgt.
Das nordkoreanische Strafrecht behandelt Prostitution als Straftat. Nach den von Nordkorea selbst gegenüber den Vereinten Nationen gemachten Angaben kann insbesondere Artikel 249 des Strafgesetzbuches in schweren Fällen eine mehrjährige Arbeitskorrektur vorsehen.
Damit verfolgt Nordkorea einen grundsätzlich repressiven Ansatz. Es existiert kein legaler Prostitutionsmarkt, keine staatlich anerkannte Sexarbeit und keine reguläre gewerbliche Tätigkeit als Prostituierte.
Trotz dieses Verbots gibt es nach unabhängigen Berichten Prostitution im Land.
Besonders seit der schweren wirtschaftlichen Krise der 1990er-Jahre berichten Menschenrechtsorganisationen und nordkoreanische Flüchtlinge von einer Zunahme informeller sexueller Dienstleistungen.
Wirtschaftliche Not, fehlende alternative Einkommensmöglichkeiten und die Bedeutung informeller Märkte spielen dabei eine wichtige Rolle.
Gleichzeitig muss zwischen Prostitution und Menschenhandel unterschieden werden. Nordkoreanische Frauen, die das Land verlassen und sich anschließend illegal in China aufhalten, sind besonders gefährdet, Opfer von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung zu werden.
Die größte Schwierigkeit bei der Untersuchung der Prostitution in Nordkorea ist die fehlende Transparenz. Verlässliche Statistiken über Umfang, regionale Verteilung und Entwicklung der Prostitution existieren nicht.
Deshalb müssen Angaben über das tatsächliche Ausmaß mit Vorsicht bewertet werden.
Insgesamt lässt sich die Situation als striktes gesetzliches Verbot, staatliche Repression, gleichzeitig aber nach unabhängigen Berichten bestehende Prostitution und erhebliche Risiken sexueller Ausbeutung und Menschenhandel charakterisieren.
Nordkorea unterscheidet sich damit deutlich von Ländern, die Prostitution regulieren oder entkriminalisieren. Das dortige Modell setzt nicht auf Regulierung eines offenen Sexmarktes, sondern auf Verbot und staatliche Kontrolle.
Die entscheidende Frage für die weitere Entwicklung bleibt deshalb weniger die rechtliche Anerkennung von Prostitution als vielmehr der Schutz von Menschen vor wirtschaftlicher Not, Zwang, Menschenhandel und sexueller Ausbeutung.