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Notfallverhütung

Notfallverhütung – auch „Pille danach" oder „Spirale danach" genannt – ist eine Methode, um eine ungewollte Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder einer Verhütungspanne zu verhindern. Sie ist kein Ersatz für regelmäßige Verhütung, sondern eine Notfalllösung für den Fall, dass ein Kondom gerissen ist, die Pille vergessen wurde oder gar nicht verhütet wurde. Dieser Artikel gibt dir einen umfassenden Überblick über alle Notfallverhütungsmethoden, ihre Wirkung, Anwendung, Sicherheit und Kosten.

Was ist Notfallverhütung?

Notfallverhütung kann verwendet werden, um eine Schwangerschaft für einen kurzen Zeitraum nach ungeschütztem Sex zu verhindern.[reference:0] Sie kommt zum Einsatz, wenn eine Verhütungspanne passiert ist – zum Beispiel ein gerissenes Kondom, eine vergessene Pille, ein verrutschtes Diaphragma oder ungeschützter Geschlechtsverkehr. Auch nach einer Vergewaltigung oder sexueller Gewalt ist Notfallverhütung eine wichtige Option.

Wichtig zu wissen: Notfallverhütung ist kein Ersatz für regelmäßige Verhütung. Sie sollte nur im Ausnahmefall angewendet werden. Wer sich regelmäßig vor einer Schwangerschaft schützen möchte, sollte eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden – zum Beispiel die Pille, die Spirale oder ein Kondom.

Wie hoch ist das Risiko einer Schwangerschaft?

Die Wahrscheinlichkeit, nach einem einmaligen ungeschützten Geschlechtsverkehr schwanger zu werden, liegt bei etwa 5 Prozent. Um den Eisprung herum – also in der Mitte des Zyklus – steigt die Wahrscheinlichkeit auf 20 bis 30 Prozent.[reference:1] Je früher die Notfallverhütung angewendet wird, desto wirksamer ist sie.[reference:2]

Welche Notfallverhütungsmethoden gibt es?

Es gibt zwei Hauptarten von Notfallverhütung: Medikamente (die „Pille danach") und das Einsetzen eines Intrauterinpessars („Spirale danach"). Die folgende Tabelle gibt dir einen ersten Überblick:

Methode Wirkstoff Anwendung Schwangerschaftsrate STI-Schutz
Levonorgestrel Levonorgestrel 1,5 mg Innerhalb von 72 Stunden (bis 120 Stunden möglich) 2–3 % Nein
Ulipristalacetat Ulipristalacetat 30 mg Innerhalb von 120 Stunden 1,5 % Nein
Kupferspirale Kupfer Innerhalb von 5 Tagen 0,1 % Nein
Hormonspirale Levonorgestrel 52 mg Innerhalb von 5 Tagen 0,3 % Nein
Mifepriston (neu) Mifepriston 10–50 mg Innerhalb von 5 Tagen – Nein


Die Pille danach: Levonorgestrel

Levonorgestrel ist der bekannteste Wirkstoff der „Pille danach". Es handelt sich um ein Gestagen, das den Eisprung hemmt oder verzögert. Levonorgestrel ist rezeptfrei in Apotheken erhältlich.[reference:3]

Wirkung

Levonorgestrel verhindert eine Schwangerschaft durch Hemmung oder Verzögerung des Eisprungs.[reference:4] Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft wird nach der Einnahme um 85 Prozent reduziert, was einer Schwangerschaftsrate von 2 bis 3 Prozent entspricht.[reference:5] Die Wirksamkeit hängt jedoch stark vom Zeitpunkt der Einnahme ab: Je früher, desto besser.

Anwendung

  • Einnahme: 1,5 mg Levonorgestrel einmalig oral
  • Zeitfenster: Innerhalb von 72 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Die Einnahme ist laut Fachinformationen auch bis zu 120 Stunden möglich, die Wirksamkeit nimmt jedoch mit der Zeit ab.
  • Verfügbarkeit: Rezeptfrei in Apotheken erhältlich

Sicherheit

Levonorgestrel hat keine absoluten Kontraindikationen.[reference:6] Es ist für alle Frauen im gebärfähigen Alter geeignet, auch für Jugendliche. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Wenn innerhalb von 2 bis 3 Stunden nach der Einnahme Erbrechen auftritt, sollte die Einnahme wiederholt werden.

Wichtig: Levonorgestrel wirkt weniger gut bei Frauen mit einem Body-Mass-Index (BMI) über 30 kg/m².[reference:7] Bei starkem Übergewicht ist Ulipristalacetat oder die Kupferspirale möglicherweise die bessere Wahl.

Die Pille danach: Ulipristalacetat

Ulipristalacetat ist ein weiterer Wirkstoff der „Pille danach". Es handelt sich um einen selektiven Progesteron-Rezeptor-Modulator (SPRM), der den Eisprung hemmt oder verzögert. Ulipristalacetat ist verschreibungspflichtig.

Wirkung

Ulipristalacetat ist wirksamer als Levonorgestrel. Die Schwangerschaftsrate liegt bei etwa 1,5 Prozent.[reference:8] Es kann auch noch kurz vor dem Eisprung wirken, wenn Levonorgestrel bereits unwirksam wäre.

Anwendung

  • Einnahme: 30 mg Ulipristalacetat einmalig oral
  • Zeitfenster: Innerhalb von 120 Stunden (5 Tagen) nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr
  • Verfügbarkeit: Verschreibungspflichtig, in der Apotheke erhältlich

Sicherheit

Ulipristalacetat hat ebenfalls keine absoluten Kontraindikationen.[reference:9] Die häufigsten Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Unterleibsschmerzen. Wenn innerhalb von 3 Stunden nach der Einnahme Erbrechen auftritt, sollte die Einnahme wiederholt werden.

Wichtig: Nach der Einnahme von Ulipristalacetat sollte die hormonelle Verhütung (z. B. die Pille) erst nach 6 Tagen wieder begonnen werden, da Gestagene die Wirksamkeit beeinträchtigen können.[reference:10] In der Zwischenzeit sollte zusätzlich mit einer Barrieremethode (z. B. Kondom) verhütet werden.

Die Spirale danach (Kupferspirale)

Die Kupferspirale ist die effektivste Form der Notfallverhütung.[reference:11] Sie wird von einer Ärztin oder einem Arzt in die Gebärmutter eingesetzt und kann dort für eine langfristige Verhütung verbleiben.

Wirkung

Die Kupferspirale verhindert, dass sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnistet.[reference:12] Die Schwangerschaftsrate nach dem Einsetzen liegt bei nur 0,1 Prozent – das ist genauso niedrig wie bei der regulären Verwendung der Spirale.[reference:13]

Anwendung

  • Zeitfenster: Innerhalb von 5 Tagen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr (oder innerhalb von 5 Tagen nach dem vermuteten Eisprung)[reference:14]
  • Einsetzen: Durch eine Ärztin oder einen Arzt in der gynäkologischen Praxis
  • Verbleib: Die Spirale kann nach dem Einsetzen bis zu 10 Jahre als reguläre Verhütung in der Gebärmutter bleiben.[reference:15]

Sicherheit

Die Kupferspirale ist auch bei Übergewicht wirksam – im Gegensatz zu den oralen Notfallverhütungsmitteln.[reference:16] Sie ist daher die bevorzugte Methode für übergewichtige Frauen, die eine Schwangerschaft unbedingt vermeiden möchten. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Unterleibsschmerzen, stärkere Menstruationsblutungen und ein geringes Risiko für eine Unterleibsentzündung.

Die Hormonspirale als Notfallverhütung

Auch eine Hormonspirale mit 52 mg Levonorgestrel kann als Notfallverhütung eingesetzt werden. Studien zeigen, dass sie der Kupferspirale in der Notfallverhütung nicht unterlegen ist.[reference:17] Die Schwangerschaftsrate liegt bei etwa 0,3 Prozent.[reference:18]

Mifepriston: Neue Option der WHO

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Mifepriston als zusätzliche Option für die Notfallverhütung empfohlen. Es wird in Dosen von 10 bis 50 mg angewendet und soll innerhalb von fünf Tagen nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Die Evidenz zeigt, dass Mifepriston in diesen Dosen wahrscheinlich genauso sicher und wirksam ist wie andere Notfallverhütungsmethoden.[reference:19] In Deutschland ist Mifepriston derzeit nicht als Notfallverhütungsmittel zugelassen, die WHO-Empfehlung könnte jedoch künftig Auswirkungen auf die Verfügbarkeit haben.

Wann ist Notfallverhütung notwendig?

Notfallverhütung ist sinnvoll, wenn eine Verhütungspanne passiert ist oder ungeschützter Geschlechtsverkehr stattgefunden hat. Typische Situationen sind:

  • Kondom gerissen oder abgerutscht
  • Pille vergessen (mehr als 12 Stunden bei der Minipille, mehr als 24 Stunden bei der Kombi-Pille)
  • Diaphragma oder Portiokappe verrutscht
  • Verhütungsring herausgerutscht (länger als 3 Stunden)
  • Ungeschützter Geschlechtsverkehr ohne vorherige Verhütung
  • Nach einer Vergewaltigung oder sexueller Gewalt
  • Coitus interruptus fehlgeschlagen („Rückzieher" zu spät)
Je früher die Notfallverhütung angewendet wird, desto wirksamer ist sie. Wer unsicher ist, ob eine Verhütungspanne vorliegt, sollte sich an eine Apotheke, eine Frauenärztin oder einen Frauenarzt wenden.

Kosten und Krankenkasse

In Deutschland ist die „Pille danach" rezeptfrei in Apotheken erhältlich und kostet je nach Produkt zwischen 16 und 35 Euro.[reference:20][reference:21] Mit einem ärztlichen Rezept übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten bis zum 22. Geburtstag.[reference:22] Ab dem 18. Geburtstag wird eine Zuzahlung von 10 Prozent fällig (mindestens 5 Euro, maximal 10 Euro).

Nach dem Erleben sexueller Gewalt oder Vergewaltigung übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die „Pille danach" in jedem Alter, wenn ein Rezept vorliegt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat den Leistungsanspruch entsprechend ausgeweitet.[reference:23]

Die Kupferspirale als Notfallverhütung wird in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen. Die Kosten für das Einsetzen liegen je nach Praxis zwischen 200 und 350 Euro. Wer die Spirale anschließend als langfristige Verhütung nutzt, kann die Kosten jedoch über die Jahre umrechnen – dann ist sie oft günstiger als andere Methoden.

Wirksamkeit und Grenzen

Notfallverhütung ist wirksam, aber nicht unfehlbar. Die Wirksamkeit hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Zeitpunkt: Je früher die Einnahme, desto wirksamer.
  • Zyklusphase: Um den Eisprung herum ist die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft ohnehin höher, und die Notfallverhütung kann den Eisprung möglicherweise nicht mehr verhindern.
  • Körpergewicht: Levonorgestrel wirkt bei einem BMI über 30 kg/m² weniger gut. Ulipristalacetat und die Kupferspirale sind dann die besseren Optionen.
  • Art der Methode: Die Kupferspirale ist die effektivste Methode, gefolgt von Ulipristalacetat und Levonorgestrel.
Wichtig: Die „Pille danach" ist nicht wirksam, wenn bereits eine Schwangerschaft besteht. Sie kann eine bestehende Schwangerschaft nicht abbrechen.[reference:24]

Nebenwirkungen

Die „Pille danach" kann Nebenwirkungen haben. Die häufigsten sind:

  • Übelkeit und Erbrechen: Tritt bei etwa 10 bis 20 Prozent der Anwenderinnen auf. Wenn innerhalb von 2 bis 3 Stunden nach der Einnahme Erbrechen auftritt, sollte die Einnahme wiederholt werden.
  • Kopfschmerzen und Schwindel: Häufig, aber meist vorübergehend.
  • Müdigkeit: Viele Frauen fühlen sich nach der Einnahme müde oder abgeschlagen.
  • Unterleibsschmerzen: Leichte bis mittlere Unterleibsschmerzen sind möglich.
  • Blutungsstörungen: Die nächste Menstruationsblutung kann früher oder später kommen und stärker oder schwächer ausfallen.
  • Brustspannen: Ein Spannungsgefühl in den Brüsten ist möglich.
Die Nebenwirkungen klingen in der Regel innerhalb weniger Tage ab. Wenn die Beschwerden anhalten oder stark sind, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Nach der Einnahme: Was ist zu beachten?

Nach der Einnahme der „Pille danach" gibt es einige wichtige Punkte zu beachten:

  • Schwangerschaftstest: Wenn die Menstruationsblutung mehr als 7 Tage später als erwartet einsetzt, sollte ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden.
  • Verhütung: Bis zur nächsten Menstruationsblutung sollte zusätzlich mit einer Barrieremethode (z. B. Kondom) verhütet werden.
  • Hormonelle Verhütung: Nach Levonorgestrel kann die hormonelle Verhütung sofort wieder begonnen werden. Nach Ulipristalacetat sollte 6 Tage gewartet werden.[reference:25]
  • Wiederholte Einnahme: Die „Pille danach" sollte nicht mehrfach im selben Zyklus eingenommen werden. Sie ist ein Notfallmedikament und kein Ersatz für regelmäßige Verhütung.
  • Beratung: Es ist empfehlenswert, sich nach der Einnahme von einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt beraten zu lassen – zum Beispiel, um die richtige Verhütungsmethode für die Zukunft zu finden.

Vorbeugung von Verhütungspannen

Verhütungspannen lassen sich nicht immer vermeiden, aber es gibt einige Maßnahmen, die das Risiko senken:

  • Kondome richtig verwenden: Auf die richtige Größe achten, Kondom vor dem Geschlechtsverkehr überziehen, Luft aus der Spitze drücken.
  • Pille regelmäßig einnehmen: Am besten mit einem Wecker oder einer App an die Einnahme erinnern lassen.
  • Verhütungsring und Pflaster rechtzeitig wechseln: Erinnerungen im Kalender oder auf dem Handy einstellen.
  • Notfallverhütung zu Hause haben: Wer weiß, dass Verhütungspannen passieren können, kann die „Pille danach" auf Vorrat kaufen – sie ist einige Jahre haltbar.
  • Doppelschutz: Die Kombination aus hormoneller Verhütung und Kondom senkt das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft erheblich.

Fazit

Notfallverhütung ist eine wichtige Option, um nach einer Verhütungspanne oder ungeschütztem Geschlechtsverkehr eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Die „Pille danach" mit Levonorgestrel oder Ulipristalacetat ist rezeptfrei bzw. verschreibungspflichtig in Apotheken erhältlich. Die Kupferspirale ist die effektivste Methode, erfordert jedoch einen Arztbesuch. Je früher die Notfallverhütung angewendet wird, desto wirksamer ist sie. Notfallverhütung schützt nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen – wer sich zusätzlich vor STI schützen möchte, sollte ein Kondom verwenden.

Quellen: Notfallverhütung

























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