Was sind hormonelle Verhütungsmethoden?
Hormonelle Verhütungsmittel setzen künstliche Formen der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen (auch Progestin genannt) ein, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Die enthaltenen Hormone ahmen die natürlichen Hormone des weiblichen Zyklus nach und greifen in den Regelkreis von Hypothalamus, Hirnanhangdrüse und Eierstöcken ein.Hormonelle Verhütungsmittel können – je nach Art und Dosierung – auf dreierlei Weise wirken:
- Unterdrückung des Eisprungs: Die Hormone verhindern, dass im Eierstock eine Eizelle heranreift und freigesetzt wird.
- Verdickung des Zervixschleims: Der Schleim im Gebärmutterhals wird zähflüssiger und für Spermien nahezu undurchdringlich.
- Veränderung der Gebärmutterschleimhaut: Die Schleimhaut baut sich nicht ausreichend auf, sodass sich eine befruchtete Eizelle nicht einnisten kann.
Welche hormonellen Verhütungsmethoden gibt es?
Hormonelle Verhütungsmittel lassen sich nach ihrer Zusammensetzung und ihrer Anwendungsform unterscheiden. Grundsätzlich gibt es zwei Gruppen:- Kombinationspräparate: Enthalten sowohl Östrogen als auch Gestagen. Dazu gehören Kombi-Pille, Vaginalring und Verhütungspflaster.
- Gestagen-Monopräparate: Enthalten nur Gestagen. Dazu gehören Minipille, Hormonimplantat, Dreimonatsspritze und Hormonspirale.
| Methode | Hormone | Anwendung | Pearl-Index (perfekt / typisch) | STI-Schutz |
|---|---|---|---|---|
| Kombi-Pille | Östrogen + Gestagen | Täglich oral | 0,3 / 9 | Nein |
| Minipille | Nur Gestagen | Täglich oral (sehr pünktlich) | 0,4 / 9 | Nein |
| Vaginalring | Östrogen + Gestagen | 1x pro Monat | 0,3 / 9 | Nein |
| Verhütungspflaster | Östrogen + Gestagen | Wöchentlich wechseln | 0,3 / 9 | Nein |
| Hormonimplantat | Nur Gestagen | Alle 3 Jahre | 0,05 / 0,05 | Nein |
| Dreimonatsspritze | Nur Gestagen | Alle 3 Monate | 0,2 / 0,4 | Nein |
| Hormonspirale | Nur Gestagen | Alle 3–8 Jahre | 0,1–0,2 | Nein |
Die Kombi-Pille
Die Kombi-Pille – oft einfach „die Pille" genannt – ist das bekannteste hormonelle Verhütungsmittel. Sie enthält eine Kombination aus Östrogen und einem Gestagen und wird in der Regel 21 bis 24 Tage lang täglich eingenommen, gefolgt von einer 4- bis 7-tägigen Pause (oder Placebo-Tabletten).Wirkung
Die Kombi-Pille unterdrückt den Eisprung, verdickt den Zervixschleim und verändert die Gebärmutterschleimhaut. Sie gehört mit einem Pearl-Index von maximal 0,9 zu den sichersten Verhütungsmitteln überhaupt.Vorteile
- Sehr hohe Sicherheit (Pearl-Index unter 1)
- Regelmäßige, oft leichtere und kürzere Blutung
- Kann Akne verbessern, Zyklusbeschwerden lindern und das Risiko für Eierstock- und Gebärmutterkrebs senken
- Einfache Anwendung
Nachteile und Risiken
- Erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien (Blutgerinnsel), besonders im ersten Anwendungsjahr
- Nebenwirkungen möglich: Kopfschmerzen, Übelkeit, Brustspannen, Stimmungsschwankungen, Libidoverlust
- Nicht geeignet für Raucherinnen über 35, Frauen mit bestimmten Erkrankungen (z. B. Thrombose, Brustkrebs) oder Migräne mit Aura
- Kein Schutz vor STI
Einnahmehinweise
Die Pille muss täglich etwa zur gleichen Zeit eingenommen werden. Bei vergessener Einnahme gelten je nach Präparat und vergangener Zeit unterschiedliche Regeln – die Packungsbeilage gibt Auskunft. Bei Erbrechen oder Durchfall innerhalb von 4 Stunden nach der Einnahme kann die Wirkung beeinträchtigt sein.Die Minipille (Gestagen-Pille)
Die Minipille enthält nur Gestagen – kein Östrogen. Sie ist deshalb eine Alternative für Frauen, die kein Östrogen vertragen oder bestimmte Risikofaktoren haben (z. B. Raucherinnen über 35, Frauen mit Migräne mit Aura oder Thromboseneigung).Wirkung
Die Minipille wirkt in erster Linie auf den Zervixschleim, der zähflüssiger wird und Spermien nicht mehr durchlässt. Bei hoch dosierten Gestagen-Präparaten wird zusätzlich der Eisprung unterdrückt.Vorteile
- Östrogenfrei – geeignet für Frauen, die kein Östrogen vertragen
- Geringeres Thromboserisiko als Kombinationspräparate
- Kann in der Stillzeit eingesetzt werden
Nachteile
- Muss sehr pünktlich eingenommen werden (Einnahmefenster je nach Präparat 3 bis 12 Stunden)
- Häufig unregelmäßige Blutungen oder Schmierblutungen
- Kein Schutz vor STI
Der Vaginalring
Der Vaginalring ist ein flexibler Kunststoffring, der von der Frau selbst in die Scheide eingeführt wird. Er verbleibt dort drei Wochen und gibt kontinuierlich Östrogen und Gestagen ab. Danach wird er entfernt, und es folgt eine siebentägige Pause, in der eine Abbruchblutung stattfindet.Vorteile
- Nur einmal im Monat anwenden – geringeres Risiko von Anwendungsfehlern
- Geringere Hormonmenge im Körper als bei der Pille
- Erbrechen und Durchfall beeinträchtigen die Wirkung nicht
- Gleiche Sicherheit wie die Pille
Nachteile
- Lokale Beschwerden möglich: Scheidenreizungen, vermehrter Ausfluss
- Kann beim Geschlechtsverkehr als störend empfunden werden
- Kann in seltenen Fällen unbemerkt herausrutschen
- Kein Schutz vor STI
Das Verhütungspflaster
Das Verhütungspflaster wird wöchentlich auf die Haut geklebt – zum Beispiel auf Bauch, Gesäß, Oberarm oder Rücken. Nach drei Wochen folgt eine Woche Pause. Das Pflaster gibt Östrogen und Gestagen über die Haut ab.Vorteile
- Nur einmal pro Woche wechseln – hohe Anwenderfreundlichkeit
- Gleiche Sicherheit wie die Pille
- Erbrechen und Durchfall beeinträchtigen die Wirkung nicht
Nachteile
- Kann als optisch störend empfunden werden
- Allergische Reaktionen an der Klebestelle möglich
- Bei mehr als 90 kg Körpergewicht möglicherweise geringere Wirksamkeit
- Kein Schutz vor STI
Das Hormonimplantat (Verhütungsstäbchen)
Das Hormonimplantat ist ein kleines, biegsames Stäbchen (etwa 4 cm lang), das unter die Haut des Oberarms eingesetzt wird. Es gibt kontinuierlich Gestagen ab und schützt bis zu drei Jahre lang vor einer Schwangerschaft. Mit einem Pearl-Index von 0,05 gehört es zu den sichersten Verhütungsmethoden überhaupt.Vorteile
- Extrem sicher – Pearl-Index 0,05
- Bis zu 3 Jahre wirksam
- Keine tägliche Anwendung nötig
- Kann in der Stillzeit eingesetzt werden
Nachteile
- Unregelmäßige Blutungen, Schmierblutungen oder Ausbleiben der Periode
- Mögliche Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Brustspannen, Gewichtszunahme, Akne, Stimmungsschwankungen
- Einsetzen und Entfernen erfordern einen kleinen Eingriff beim Arzt
- Kein Schutz vor STI
Die Dreimonatsspritze
Die Dreimonatsspritze enthält ein Gestagen (Depot-Medroxyprogesteronacetat, DMPA) und wird alle drei Monate in den Muskel injiziert. Sie ist eine diskrete und langfristige Verhütungsmethode.Vorteile
- Nur 4 Injektionen pro Jahr
- Sehr sicher – Pearl-Index 0,2 bis 0,4
- Erbrechen und Durchfall beeinträchtigen die Wirkung nicht
- Kann in der Stillzeit eingesetzt werden
Nachteile
- Unregelmäßige Blutungen, besonders in den ersten Monaten; nach einem Jahr bleiben bei etwa 50 % der Anwenderinnen die Blutungen aus
- Mögliche Nebenwirkungen: Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Libidoverlust, Akne, Haarausfall, Kopfschmerzen
- Kann die Knochendichte vorübergehend reduzieren
- Nach dem Absetzen kann es bis zu einem Jahr dauern, bis die Fruchtbarkeit zurückkehrt
- Kein Schutz vor STI
Die Hormonspirale
Die Hormonspirale ist ein kleines, T-förmiges Kunststoffstück, das vom Arzt in die Gebärmutter eingesetzt wird. Sie gibt kontinuierlich eine geringe Menge Gestagen (Levonorgestrel) direkt an die Gebärmutterschleimhaut ab. Die Hormonspirale schützt je nach Modell 3 bis 8 Jahre lang vor einer Schwangerschaft.Vorteile
- Extrem sicher – Pearl-Index 0,1 bis 0,2
- Langfristige Lösung – kein tägliches Anwenden nötig
- Geringe Hormonbelastung, da das Gestagen direkt vor Ort wirkt
- Kann die Menstruationsblutung deutlich reduzieren oder ganz stoppen
- Geeignet für Frauen mit starker oder schmerzhafter Periode
Nachteile
- Einsetzen erfordert einen Arzttermin und kann schmerzhaft sein
- In den ersten Wochen erhöhtes Risiko für Infektionen der Gebärmutter oder Eileiter
- Mögliche Nebenwirkungen: unregelmäßige Blutungen, Kopfschmerzen, Brustspannen, Stimmungsschwankungen
- Bei jüngeren Frauen unter 20 Jahren etwas höheres Risiko, dass die Spirale verrutscht oder ausgestoßen wird
- Kein Schutz vor STI
Gemeinsame Nebenwirkungen hormoneller Verhütung
Alle hormonellen Methoden können ähnliche Nebenwirkungen haben, auch wenn diese je nach Präparat und Person unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Zu den häufigsten gehören:- Kopfschmerzen und Schwindel
- Übelkeit
- Brustspannen und Brustschmerzen
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, depressive Verstimmung
- Libidoverlust
- Gewichtszunahme oder -veränderung
- Blutungsstörungen (Schmierblutungen, Zwischenblutungen, Ausbleiben der Blutung)
- Akne oder Hautveränderungen
Risiken und Kontraindikationen
Thromboserisiko
Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel (mit Östrogen) erhöhen das Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) – also Blutgerinnsel in den Venen, die zu Lungenembolien führen können. Das Risiko ist insgesamt gering, aber im ersten Anwendungsjahr am höchsten. Reine Gestagen-Methoden (Minipille, Implantat, Hormonspirale) haben kein oder nur ein sehr geringes zusätzliches Thromboserisiko.Wann hormonelle Verhütung nicht geeignet ist
Bestimmte Personengruppen sollten keine oder nur bestimmte hormonelle Verhütungsmittel anwenden:- Frauen mit aktueller oder früherer Thrombose oder Lungenembolie
- Frauen mit Brustkrebs oder bestimmten anderen Krebsarten
- Raucherinnen über 35 Jahren (bei Kombinationspräparaten)
- Frauen mit Migräne mit Aura (bei Kombinationspräparaten)
- Frauen mit schweren Lebererkrankungen
- Frauen mit ungeklärten vaginalen Blutungen
Kosten und Krankenkasse
In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für verschreibungspflichtige hormonelle Verhütungsmittel – wie Pille, Vaginalring, Verhütungspflaster, Hormonspirale und Hormonimplantat – bis zur Vollendung des 22. Lebensjahres. Danach müssen die Kosten in der Regel selbst getragen werden. Einige Krankenkassen bieten freiwillige Zusatzleistungen an.Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen
Keine hormonelle Verhütungsmethode schützt vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Wer sich vor STI schützen möchte, braucht zusätzlich eine Barrieremethode – in der Regel ein Kondom. Diese Kombination wird als Doppelschutz bezeichnet: hormonelle Verhütung für den Schutz vor Schwangerschaft, Kondom für den Schutz vor STI.Die passende hormonelle Methode finden
Welche hormonelle Methode die richtige ist, hängt von vielen Faktoren ab:- Gesundheitliche Vorgeschichte: Thromboserisiko, Migräne, Rauchen, Vorerkrankungen
- Anwendungspräferenz: Tägliche Einnahme, wöchentlicher Wechsel, monatliche Anwendung oder langfristige Lösung
- Verträglichkeit: Manche Frauen vertragen Östrogen nicht, andere reagieren empfindlich auf Gestagen
- Zyklus: Wunsch nach regelmäßiger Blutung oder Ausbleiben der Periode
- Lebenssituation: Stillzeit, Kinderwunsch in naher Zukunft, Reisepläne