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PrEP (Präexpositionsprophylaxe)

Die Präexpositionsprophylaxe – kurz PrEP – ist eine medikamentöse Vorsorge gegen eine HIV-Infektion. Sie richtet sich an HIV-negative Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko. Wer die PrEP regelmäßig oder anlassbezogen einnimmt, kann sein Risiko, sich mit HIV anzustecken, um bis zu 99 Prozent senken. Die PrEP ist seit September 2019 in Deutschland eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Dieser Artikel gibt dir einen umfassenden Überblick über Wirkung, Anwendung, Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Kosten der PrEP.

Was ist die PrEP?

PrEP steht für „Präexpositionsprophylaxe" – also eine vorbeugende Behandlung, die vor einem möglichen Kontakt mit dem HI-Virus eingenommen wird. Die Abkürzung setzt sich zusammen aus dem lateinischen „prä" (vor) und „Exposition" (Kontakt) sowie dem griechischen „Prophylaxe" (Vorbeugung).

Bei der PrEP nehmen HIV-negative Menschen regelmäßig oder anlassbezogen antiretrovirale Medikamente ein. Diese Medikamente enthalten zwei Wirkstoffe – Emtricitabin und Tenofovir –, die seit vielen Jahren auch in der HIV-Therapie eingesetzt werden. Der Unterschied: Während bei der HIV-Therapie noch ein dritter Wirkstoff hinzukommt, besteht die PrEP-Pille nur aus diesen beiden Wirkstoffen.

Die PrEP ist keine Impfung – sie schützt nur so lange, wie die Medikamente regelmäßig eingenommen werden. Wird die Einnahme beendet, verschwindet auch der Schutz. Die PrEP ersetzt zudem keine anderen Schutzmaßnahmen wie Kondome, sondern ergänzt sie.

Wer kann die PrEP nutzen?

Die PrEP ist für Menschen gedacht, die HIV-negativ sind, aber ein erhöhtes Risiko für eine HIV-Infektion haben. Dazu gehören:

  • Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, besonders bei ungeschütztem Anal- oder Vaginalverkehr
  • Sexpartner von Menschen mit HIV, deren Behandlung noch nicht voll wirksam ist
  • Menschen, die Drogen injizieren, wenn kein ausreichender Zugang zu sterilem Injektionsbesteck besteht
  • Menschen mit mehrfachen HIV-Risikokontakten in der Vorgeschichte
Die PrEP wird nicht für alle HIV-negativen Menschen empfohlen – nur für diejenigen mit einem nachweislich erhöhten Risiko. Ob die PrEP sinnvoll ist, sollte im ärztlichen Beratungsgespräch geklärt werden.

Welche Formen der PrEP gibt es?

Es gibt verschiedene Darreichungsformen und Einnahmeschemata der PrEP. Die folgende Tabelle gibt dir einen ersten Überblick:

Form Wirkstoff Anwendung Verfügbarkeit
Orale PrEP (TDF/FTC) Tenofovir Disoproxil + Emtricitabin Täglich oder ereignisgesteuert (2-1-1) Standard in Deutschland
Orale PrEP (TAF/FTC) Tenofovir Alafenamid + Emtricitabin Täglich Für Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion
Cabotegravir (CAB-LA) Cabotegravir Injektion alle 2 Monate WHO-Empfehlung seit 2022
Lenacapavir (LEN) Lenacapavir Injektion alle 6 Monate WHO-Empfehlung seit 2025


In Deutschland ist die orale PrEP mit TDF/FTC die Standardform. Die injizierbaren Formen sind in Deutschland noch nicht flächendeckend verfügbar, werden aber von der WHO als zusätzliche Optionen empfohlen.

Wie wirkt die PrEP?

Wenn das HI-Virus in den Körper gelangt, muss es sich in bestimmten Zellen vermehren, um eine dauerhafte Infektion zu etablieren. Die PrEP verhindert, dass das Virus diese Zellen infizieren und sich dort vermehren kann. Die enthaltenen Wirkstoffe blockieren einen bestimmten Schritt im Vermehrungszyklus des Virus. Dadurch kann sich HIV nicht im Körper festsetzen, selbst wenn das Virus beim Sex oder durch Blut in den Körper gelangt.

Entscheidend ist, dass die Medikamentenspiegel im Körper zum Zeitpunkt des möglichen Virus-Kontakts hoch genug sind. Deshalb muss die PrEP rechtzeitig vor dem Risikokontakt eingenommen werden – nicht erst danach.

Einnahmeschemata: Täglich oder ereignisgesteuert

Es gibt zwei grundsätzliche Möglichkeiten, die orale PrEP einzunehmen:

Tägliche Einnahme (Daily Dosing)

Bei der täglichen Einnahme wird jeden Tag eine Tablette TDF/FTC eingenommen – möglichst zur gleichen Uhrzeit. Nach etwa 7 Tagen ist ein stabiler Schutzpegel aufgebaut. Diese Form der Einnahme ist besonders geeignet für Menschen mit einem dauerhaft erhöhten HIV-Risiko. Für Deutschland zeigen die Daten, dass die tägliche Einnahme besser vor einer HIV-Infektion schützt als die ereignisgesteuerte Einnahme.

Wichtig: Wenn die PrEP zum ersten Mal eingenommen wird oder nach einer Pause wieder begonnen wird, sollte 2 bis 24 Stunden vor dem ersten möglichen Risikokontakt eine doppelte Dosis (2 Tabletten) eingenommen werden. Danach wird täglich eine Tablette eingenommen.

Ereignisgesteuerte Einnahme (Event-Based Dosing, „2-1-1")

Die ereignisgesteuerte Einnahme – auch „PrEP on Demand" oder „2-1-1-Schema" genannt – richtet sich an Menschen, die nur gelegentlich ungeschützten Sex haben und dies im Voraus planen können. Das Schema sieht wie folgt aus:

  • 2 Tabletten 2 bis 24 Stunden vor dem Sex
  • 1 Tablette 24 Stunden nach der ersten Dosis
  • 1 Tablette 48 Stunden nach der ersten Dosis
Die ereignisgesteuerte Einnahme funktioniert gut bei Analverkehr. Für Vaginal- oder Frontalverkehr ist die Datenlage begrenzter – hier wird die tägliche Einnahme empfohlen. Auch bei einer Hepatitis-B-Infektion ist die ereignisgesteuerte Einnahme nicht geeignet, da die PrEP-Wirkstoffe auch gegen Hepatitis B wirken und ein plötzliches Absetzen zu einem Aufflammen der Hepatitis führen kann.

Wichtig: Die ereignisgesteuerte Einnahme ist nur eine Option für Menschen, die keinen täglichen Schutz benötigen und die Einnahme zuverlässig planen können. Wer die Einnahme nicht konsequent einhält, riskiert einen unzureichenden Schutz.

Wirksamkeit der PrEP

Die PrEP ist hoch wirksam, solange die Medikamente regelmäßig eingenommen werden. Internationale Studien und die deutsche PrEP-Evaluation des Robert Koch-Instituts zeigen übereinstimmend eine sehr hohe Schutzwirkung.

Schutzrate

Bei korrekter und regelmäßiger Einnahme liegt die Schutzwirkung der PrEP bei bis zu 99 Prozent. In der deutschen PrEP-Kohorte traten während der aktiven PrEP-Nutzung keine HIV-Infektionen auf – trotz unterschiedlicher Risikoprofile und Einnahmetreue. Die tägliche Einnahme erwies sich dabei als zuverlässiger als die ereignisgesteuerte Einnahme.

Wann die PrEP versagen kann

Die häufigste Ursache für ein „PrEP-Versagen" ist die nicht oder zu selten eingenommene PrEP. Wenn die Medikamentenspiegel zu niedrig sind, kann das Virus sich vermehren. Sehr selten kann auch eine Infektion mit einem Virus erfolgen, das bereits gegen die in der PrEP enthaltenen Wirkstoffe resistent ist. Nach bisherigen Erfahrungen sind solche Resistenzfälle jedoch extrem selten.

Nebenwirkungen der PrEP

Die meisten Menschen, die PrEP einnehmen, haben keine oder nur milde Nebenwirkungen. Wenn Nebenwirkungen auftreten, verschwinden sie oft innerhalb weniger Wochen von selbst. Die häufigsten kurzfristigen Nebenwirkungen sind:

  • Übelkeit: Tritt bei etwa 10 Prozent der Anwender auf, meist in der ersten Anwendungswoche
  • Müdigkeit
  • Magen-Darm-Symptome: Wie Durchfall oder Blähungen
  • Kopfschmerzen: In klinischen Studien die häufigste berichtete Nebenwirkung

Mögliche schwerwiegendere Nebenwirkungen

  • Eingeschränkte Nierenfunktion: Die PrEP kann die Nierenfunktion beeinträchtigen. Deshalb werden die Nieren vor Beginn der PrEP und regelmäßig während der Einnahme kontrolliert. Menschen mit bereits eingeschränkter Nierenfunktion oder mit bestimmten Begleitmedikamenten (z. B. bestimmte Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac) haben ein höheres Risiko.
  • Reduzierte Knochendichte: Die PrEP kann die Knochendichte um 1 bis 2 Prozent reduzieren. Dies ist besonders relevant für Menschen unter 24 Jahren, deren Knochen noch wachsen, oder für Menschen mit bereits niedriger Knochendichte.
Wichtig: Die PrEP-Wirkstoffe können bei Menschen mit Hepatitis B nach plötzlichem Absetzen zu einem Aufflammen der Hepatitis führen. Vor Beginn der PrEP sollte daher der Hepatitis-B-Status bekannt sein.

PrEP und andere sexuell übertragbare Infektionen

Die PrEP schützt ausschließlich vor HIV – nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) wie Syphilis, Gonorrhoe, Chlamydien oder Herpes. In Studien wurde bei PrEP-Nutzenden sogar eine erhöhte STI-Rate beobachtet, möglicherweise weil das Vertrauen in den HIV-Schutz zu nachlässigerem Kondomgebrauch führt. Gonorrhoe war dabei die häufigste STI (30 bis 45 Prozent), gefolgt von Chlamydien (20 bis 35 Prozent) und Syphilis (5 bis 15 Prozent).

Deshalb gilt: Wer sich umfassend schützen möchte, sollte die PrEP mit anderen Schutzmaßnahmen kombinieren – vor allem mit Kondomen. Regelmäßige STI-Tests sind ebenfalls wichtig: Die CDC empfiehlt STI-Screenings mindestens alle 6 Monate, bei erhöhtem Risiko auch häufiger.

Kosten und Krankenkasse

In Deutschland haben gesetzlich Versicherte ab Vollendung des 16. Lebensjahres mit einem substantiellen HIV-Infektionsrisiko einen Anspruch auf die PrEP einschließlich ärztlicher Beratung und Untersuchung. Die Kosten für die PrEP-Medikamente und die notwendigen Untersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn die PrEP von einem dafür zugelassenen Arzt oder einer Ärztin verschrieben wird. Erwachsene leisten die gesetzliche Zuzahlung zu den Arzneimitteln.

Die extrabudgetäre Vergütung der PrEP-Leistungen für Ärzte wurde bis zum 31. Dezember 2027 verlängert. Ende 2023 nutzten bereits rund 40.000 Personen in Deutschland die PrEP.

Für Menschen ohne Krankenversicherung oder mit privater Krankenversicherung gelten andere Regelungen – hier sollte im Einzelfall bei der Krankenkasse nachgefragt werden.

Voraussetzungen für die PrEP

Bevor die PrEP verschrieben wird, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:

  • HIV-negativ: Vor Beginn der PrEP muss ein HIV-Test durchgeführt werden, der negativ ausfällt. Die PrEP darf nicht bei einer bestehenden HIV-Infektion eingenommen werden.
  • Nierenfunktion: Die Nierenfunktion wird vor Beginn und während der PrEP regelmäßig überprüft.
  • Hepatitis-B-Status: Der Hepatitis-B-Status sollte bekannt sein, da die PrEP-Wirkstoffe auch gegen Hepatitis B wirken.
  • Ärztliche Beratung: Die PrEP wird nur nach einem ausführlichen ärztlichen Beratungsgespräch verschrieben.
  • Regelmäßige Kontrollen: Während der PrEP sind regelmäßige HIV-Tests und STI-Screenings erforderlich – in der Regel alle 3 Monate.

PrEP in besonderen Situationen

PrEP und Hormontherapie bei Transfrauen

Transgender-Frauen, die eine feminisierende Hormontherapie durchführen, sollten die tägliche PrEP-Einnahme wählen. Studien zeigen, dass bei dieser Gruppe die PrEP-Spiegel im Körper etwas niedriger sein können. Die ereignisgesteuerte Einnahme sollte nur unter fachärztlicher Aufsicht erfolgen.

PrEP und Schwangerschaft

Die PrEP kann auch in der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden, wenn ein erhöhtes HIV-Risiko besteht. Die Entscheidung sollte im ärztlichen Gespräch getroffen werden.

PrEP und Hepatitis B

Menschen mit einer chronischen Hepatitis B sollten vor Beginn der PrEP darüber informiert werden, dass die PrEP-Wirkstoffe auch gegen Hepatitis B wirken und ein plötzliches Absetzen zu einem Aufflammen der Hepatitis führen kann. Die ereignisgesteuerte Einnahme ist bei Hepatitis B nicht geeignet.

Neue Entwicklungen: Injizierbare PrEP

Neben der oralen PrEP gibt es mittlerweile auch injizierbare Formen, die von der WHO als zusätzliche Optionen empfohlen werden:

  • Cabotegravir (CAB-LA): Eine Injektion alle 2 Monate. Die WHO empfahl Cabotegravir 2022 als zusätzliche PrEP-Option für Menschen mit substanziellem HIV-Risiko.
  • Lenacapavir (LEN): Eine Injektion alle 6 Monate. Die WHO erweiterte 2025 ihre Empfehlungen um Lenacapavir als langwirksame PrEP-Option.
Diese injizierbaren Formen könnten die Einnahmetreue verbessern, da sie nur wenige Male pro Jahr angewendet werden müssen. In Deutschland sind sie noch nicht flächendeckend verfügbar.

Fazit

Die PrEP ist eine hochwirksame Methode zur Vorbeugung einer HIV-Infektion. Bei korrekter Einnahme schützt sie bis zu 99 Prozent vor HIV. In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko. Die PrEP schützt jedoch nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen – wer sich umfassend schützen möchte, sollte sie mit Kondomen kombinieren. Vor Beginn der PrEP sind eine ärztliche Beratung, ein HIV-Test und die Kontrolle der Nierenfunktion erforderlich. Während der PrEP sind regelmäßige Kontrollen wichtig.

Quellen: PrEP (Präexpositionsprophylaxe)

























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