Barrieremethoden
Barrieremethoden gehören zu den ältesten und gleichzeitig vielseitigsten Verhütungsmitteln. Sie verhindern mechanisch, dass Spermien in die Gebärmutter gelangen – entweder durch eine physische Barriere oder durch die Kombination mit spermienabtötenden Substanzen. Ihr großer Vorteil: Einige von ihnen – allen voran das Kondom – schützen gleichzeitig vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Damit sind sie die einzige Verhütungsmethode, die beides leistet: Schutz vor Schwangerschaft und Schutz vor STI. Dieser Artikel gibt dir einen umfassenden Überblick über alle Barrieremethoden, ihre Anwendung, Sicherheit und Vor- und Nachteile.Was sind Barrieremethoden?
Barrieremethoden – auch mechanische Verhütungsmethoden genannt – verhindern physikalisch, dass Spermien in die Gebärmutter einer Frau gelangen und dort eine Eizelle befruchten können. Dazu zählen Kondome (für Männer und Frauen), Diaphragmen, Portiokappen, Verhütungsschwämme sowie Spermizide in Form von Schaum, Creme oder Zäpfchen.Im Gegensatz zu hormonellen Verhütungsmethoden greifen Barrieremethoden nicht in den Hormonhaushalt ein. Sie sind eine gute Wahl für Frauen und Männer, die keine Hormone verwenden möchten oder dürfen. Allerdings sind sie in der Regel etwas weniger sicher als hormonelle Methoden – und nur Kondome und Femidome bieten einen zuverlässigen Schutz vor STI.
Gemeinsame Merkmale
- Hormonfrei: Kein Eingriff in den natürlichen Zyklus
- Anwendung bei Bedarf: Werden nur beim Geschlechtsverkehr verwendet
- Reversible Wirkung: Die Fruchtbarkeit kehrt sofort nach dem Absetzen zurück
- Kein STI-Schutz: Nur Kondome, Femidome und Lecktücher schützen vor sexuell übertragbaren Infektionen
Welche Barrieremethoden gibt es?
Barrieremethoden lassen sich nach ihrer Wirkungsweise und ihrem Anwendungsbereich unterscheiden. Die folgende Tabelle gibt dir einen ersten Überblick:| Methode | Material | Anwendung | Pearl-Index (perfekt / typisch) | STI-Schutz |
|---|---|---|---|---|
| Kondom (Mann) | Latex, Polyurethan, Polyisopren | Bei jedem Sex | 2 / 18 | Ja |
| Femidom (Frau) | Polyurethan, Nitril, Latex | Bei jedem Sex (bis 8 Std. vorher) | 5 / 21 | Ja |
| Diaphragma | Silikon, Latex | Bei jedem Sex, mit Spermizid | 4–8 / 12–16 | Teilweise (mit Spermizid) |
| Portiokappe | Silikon | Bei jedem Sex, mit Spermizid | 4–8 / 12–16 | Teilweise (mit Spermizid) |
| Lecktuch (Dental Dam) | Latex, Gummi | Bei Oralverkehr | – | Ja (bei Oralsex) |
Das Kondom für Männer
Das Kondom für Männer ist die bekannteste und am weitesten verbreitete Barrieremethode. Es besteht aus einer dünnen Hülle aus Latex, Polyurethan oder Polyisopren und wird vor dem Geschlechtsverkehr über den erigierten Penis abgerollt. Latexkondome sind die einzige Verhütungsmethode, die sowohl vor einer Schwangerschaft als auch vor allen sexuell übertragbaren Infektionen schützt – einschließlich HIV, Chlamydien, Gonorrhoe, Syphilis, HPV und Hepatitis B.Wirkung
Das Kondom fängt das Sperma auf und verhindert so, dass es in die Vagina gelangt. Gleichzeitig bedeckt es den Penis vollständig und verhindert den direkten Haut- und Schleimhautkontakt mit der Vagina oder dem Anus. Dadurch werden auch STI-Erreger abgehalten, die durch Hautkontakt übertragen werden.Anwendung
- Kondom vor dem ersten Kontakt mit der Vagina, dem Anus oder dem Mund über den erigierten Penis abrollen.
- Die Luft aus der Spitze des Kondoms herausdrücken, um Platz für das Sperma zu schaffen.
- Das Kondom bis zum Ende des Geschlechtsverkehrs tragen.
- Nach dem Samenerguss den Penis festhalten und das Kondom vorsichtig entfernen, ohne dass Sperma austritt.
- Für jeden Geschlechtsverkehr ein neues Kondom verwenden.
Sicherheit
Bei perfekter Anwendung liegt der Pearl-Index bei 2 – das bedeutet, dass 2 von 100 Frauen innerhalb eines Jahres schwanger werden. Bei typischer Anwendung (also mit Anwendungsfehlern wie falscher Größe, Abrutschen oder Reißen) liegt der Pearl-Index bei 18. Richtig angewendet ist das Kondom also sicherer, als es der typische Pearl-Index vermuten lässt.Wichtig: Kondome aus Lammhaut bieten keinen Schutz gegen virale Infektionen wie HIV. Nur Latex-, Polyurethan- und Polyisopren-Kondome schützen zuverlässig.
Vor- und Nachteile
- Vorteile: Schutz vor Schwangerschaft und STI, hormonfrei, sofort wirksam, rezeptfrei erhältlich, relativ günstig
- Nachteile: Kann bei falscher Anwendung reißen oder abrutschen, kann als störend empfunden werden, Latexallergie möglich (Alternative: Polyurethan-Kondome)
Das Femidom (Frauenkondom)
Das Femidom – auch Frauenkondom oder internes Kondom genannt – ist eine dünne Hülle aus Kunststoff (Polyurethan, Nitril oder Latex), die in die Vagina eingeführt wird. Es hat an beiden Enden einen flexiblen Ring: Der innere Ring wird tief in die Vagina geschoben und hält das Kondom an Ort und Stelle; der äußere Ring bleibt außerhalb der Vagina.Wirkung
Das Femidom legt sich an die Innenwand der Vagina an und bildet eine Barriere zwischen Penis und Vaginalwand. Dadurch werden Spermien aufgefangen und STI-Erreger abgehalten. Es schützt – wie das Kondom für Männer – vor Schwangerschaft und vor sexuell übertragbaren Infektionen, einschließlich HIV.Anwendung
- Das Femidom kann bis zu 8 Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden.
- Den inneren Ring zusammendrücken und so tief wie möglich in die Vagina einführen.
- Der äußere Ring bleibt außerhalb der Vagina sichtbar.
- Den Penis in das Femidom einführen – nicht zwischen Femidom und Vaginalwand.
- Nach dem Geschlechtsverkehr das Femidom vorsichtig herausziehen und im Müll entsorgen.
- Jedes Femidom nur einmal verwenden.
Sicherheit
Bei perfekter Anwendung liegt der Pearl-Index bei 5 – das bedeutet, dass 5 von 100 Frauen innerhalb eines Jahres schwanger werden. Bei typischer Anwendung liegt der Pearl-Index bei 21. Damit ist das Femidom etwas weniger sicher als das Kondom für Männer, aber ähnlich gut beim Schutz vor STI.Vor- und Nachteile
- Vorteile: Schutz vor Schwangerschaft und STI, hormonfrei, von der Frau selbstbestimmt einsetzbar, bereits Stunden vorher einsetzbar
- Nachteile: Etwas weniger sicher als das Kondom für Männer, kann als störend empfunden werden, laute Geräusche möglich, höherer Preis
Wichtiger Hinweis
Femidom und Kondom dürfen nicht gleichzeitig verwendet werden! Die Reibung zwischen beiden kann dazu führen, dass sie reißen. Wer doppelten Schutz möchte, kann ein Femidom oder Kondom mit einer hormonellen Methode kombinieren.Das Diaphragma (Pessar)
Das Diaphragma – auch Pessar genannt – ist eine gewölbte Kappe aus Silikon oder Latex mit einem flexiblen Rand, die in die Vagina eingeführt wird und den Gebärmutterhals abdeckt. Es gibt sie in verschiedenen Größen (60 bis 90 Millimeter Durchmesser) und sie muss von einem Arzt oder einer Ärztin angepasst werden.Wirkung
Das Diaphragma bildet eine physische Barriere über dem Gebärmutterhals. Zusammen mit einem spermizidhaltigen Gel oder einer Creme werden Spermien zusätzlich abgetötet. Das Diaphragma schützt jedoch nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen.Anwendung
- Das Diaphragma wird mit spermizidhaltiger Creme oder Gel bestrichen.
- Es wird bis zu 6 Stunden vor dem Geschlechtsverkehr in die Vagina eingeführt und über den Gebärmutterhals geschoben.
- Nach dem Geschlechtsverkehr muss es mindestens 6 Stunden, aber maximal 24 Stunden in der Vagina verbleiben.
- Bei mehrfachem Geschlechtsverkehr muss zusätzliches Spermizid eingeführt werden.
Sicherheit
Die Sicherheit hängt stark von der korrekten Anwendung ab. Bei perfekter Anwendung mit Spermizid liegt die Effektivität bei etwa 84 bis 96 Prozent. Der Pearl-Index liegt bei 4 bis 8 bei perfekter Anwendung und bei 12 bis 16 bei typischer Anwendung. Das Diaphragma ist damit weniger sicher als hormonelle Methoden oder das Kondom.Vor- und Nachteile
- Vorteile: Hormonfrei, kann Stunden vorher eingesetzt werden, kann vom Partner nicht gespürt werden, wiederverwendbar (bis zu 2 Jahre)
- Nachteile: Erfordert Anpassung durch Arzt, kein STI-Schutz, erhöhtes Risiko für Harnwegsinfektionen, Spermizid kann Reizungen verursachen, Anwendung erfordert Übung
Die Portiokappe
Die Portiokappe ähnelt dem Diaphragma, ist aber kleiner und hat die Form einer nach innen gewölbten Kuppel mit einem breiten Rand. Sie wird direkt auf den Gebärmutterhals (Portio) aufgesetzt und saugt sich dort fest. In Deutschland ist derzeit das Modell Femcap® erhältlich, das aus Silikon gefertigt ist.Wirkung
Die Portiokappe verschließt den Muttermund und verhindert so, dass Spermien in die Gebärmutter gelangen. Wie das Diaphragma wird sie mit spermizidhaltiger Creme oder Gel verwendet. Die Portiokappe schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.Anwendung
- Die Portiokappe wird mit Spermizid bestrichen und vor dem Geschlechtsverkehr auf den Gebärmutterhals aufgesetzt.
- Sie kann bis zu 42 Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden.
- Nach dem Geschlechtsverkehr muss sie mindestens 6 Stunden, aber maximal 48 Stunden am Stück getragen werden.
- Die Nutzung während der Menstruation wird nicht empfohlen.
Sicherheit
Die Sicherheit entspricht in etwa der des Diaphragmas: Bei korrekter Anwendung mit Spermizid liegt die Effektivität bei 92 bis 96 Prozent. Der Pearl-Index liegt bei 4 bis 8 (perfekt) und 12 bis 16 (typisch).Vor- und Nachteile
- Vorteile: Hormonfrei, klein und diskret, lange Tragedauer möglich, wiederverwendbar
- Nachteile: Erfordert Anpassung und Übung, kein STI-Schutz, kann verrutschen, nicht während der Menstruation verwendbar, begrenzte Verfügbarkeit
Das Lecktuch (Dental Dam)
Das Lecktuch – auch Dental Dam, Oral Dam oder Oralschutztuch genannt – ist ein dünnes Latex- oder Gummituch von mindestens 15 x 15 Zentimetern, das beim Oralverkehr über die Vulva oder den Anus gelegt wird. Es dient als Barriere und verhindert den direkten Kontakt zwischen Mund und Schleimhaut.Wirkung
Das Lecktuch verhindert den Austausch von Körperflüssigkeiten beim Oralverkehr. Dadurch sinkt das Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Infektionen wie Herpes, Chlamydien, Gonorrhoe, Syphilis, HPV oder Hepatitis B anzustecken.Anwendung
- Das Lecktuch über die Vulva oder den Anus legen.
- Es kann mit Gleitgel auf der Hautseite fixiert werden, damit es nicht verrutscht.
- Nach dem Gebrauch entsorgen – jedes Lecktuch nur einmal verwenden.
Vor- und Nachteile
- Vorteile: Schutz vor STI beim Oralverkehr, hormonfrei, in verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich
- Nachteile: Kann das Gefühl beim Oralsex verändern, nicht überall erhältlich, erfordert etwas Übung
Spermizide
Spermizide sind chemische Substanzen, die Spermien abtöten oder inaktivieren. Sie sind als Schaum, Creme, Gel, Zäpfchen oder Schwämmchen erhältlich und werden in Kombination mit Barrieremethoden wie Diaphragma oder Portiokappe verwendet. Allein angewendet sind Spermizide nicht sicher genug, um eine Schwangerschaft zuverlässig zu verhindern.Wichtig: Spermizide mit dem Wirkstoff Nonoxynol-9 werden nicht mehr empfohlen, da sie Schleimhautreizungen verursachen und dadurch das Risiko für STI erhöhen können.
Barrieremethoden im Vergleich: Schutz vor STI
Nicht alle Barrieremethoden schützen vor sexuell übertragbaren Infektionen. Die folgende Übersicht zeigt, welche Methode welchen Schutz bietet:| Methode | Schwangerschaftsschutz | HIV-Schutz | STI-Schutz (allgemein) |
|---|---|---|---|
| Kondom (Mann) | Ja | Ja | Ja (alle gängigen STI) |
| Femidom | Ja | Ja | Ja (alle gängigen STI) |
| Diaphragma | Ja (mit Spermizid) | Nein | Teilweise (begrenzt) |
| Portiokappe | Ja (mit Spermizid) | Nein | Teilweise (begrenzt) |
| Lecktuch | – | Ja (bei Oralsex) | Ja (bei Oralsex) |
Vor- und Nachteile von Barrieremethoden im Überblick
Vorteile
- Hormonfrei – kein Eingriff in den natürlichen Zyklus
- Schutz vor STI (bei Kondom, Femidom und Lecktuch)
- Sofort wirksam und reversibel
- Rezeptfrei erhältlich (Kondome, Femidome, Lecktücher)
- Frauen können selbstbestimmt handeln (Femidom, Diaphragma, Portiokappe)
Nachteile
- Geringere Sicherheit als hormonelle Methoden oder Spirale
- Anwendung erfordert Übung und Sorgfalt
- Können das sexuelle Erleben beeinträchtigen
- Nicht alle Methoden schützen vor STI
- Allergische Reaktionen auf Latex oder Spermizide möglich
Doppelschutz: Barrieremethode plus hormonelle Verhütung
Wer sich umfassend schützen möchte, kann eine Barrieremethode mit einer hormonellen Verhütungsmethode kombinieren. Diese Strategie wird als Doppelschutz bezeichnet: Die hormonelle Methode (z. B. die Pille) schützt vor einer Schwangerschaft, das Kondom schützt zusätzlich vor sexuell übertragbaren Infektionen. Diese Kombination bietet den höchsten Schutz – sowohl vor ungewollter Schwangerschaft als auch vor STI.Barrieremethoden bei Latexallergie
Menschen mit einer Latexallergie können auf alternative Materialien zurückgreifen:- Polyurethan-Kondome: Dünner als Latex, aber genauso sicher
- Polyisopren-Kondome: Weicher als Polyurethan, ähnlich wie Latex
- Nitril-Femidome: Für Menschen mit Latexallergie geeignet
- Silikon-Diaphragmen und -Portiokappen: Latexfrei und langlebig